Asyl: Weniger Anträge in der EU als im Vorjahr
- Anstieg aber in Österreich: plus 65 Prozent

Die Zahl der Asylsuchenden in der Europäischen Union nimmt ab. Im Gegensatz zu den anderen großen Industriestaaten und den Erweiterungsländern hat es 2001 in der EU weniger Anträge gegeben als im Jahr davor, geht aus dem aktuellen Jahrbuch des UNO-Flüchtlingshochkommissariats hervor. Demnach sank die Zahl der Anträge in der Union von 391.300 auf 388.400. Eine Ausnahme stellt allerdings Österreich dar, das mit plus 65 Prozent den höchsten Anstieg in der Union und insgesamt den zweit höchsten nach der Tschechischen Republik aufwies.
Die EU widersetzt sich damit dem internationalen Trend. Denn alle 38 als Industriestaaten bezeichneten Länder haben gemeinsam im gleichen Zeitraum ein Plus von acht Prozent bei den Anträgen verzeichnet. Vor allem die USA, Kanada und die Erweiterungsstaaten hatten enorme Zuwächse an Asylwerbern. In absoluten Zahlen die meisten Asylanträge in den Industriestaaten gab es in Großbritannien, wo 92.000 Menschen um Aufnahme baten. Platz zwei nimmt Deutschland ein (88.300), auf Rang drei stehen die USA mit geschätzten 83.200 Anträgen. Österreich findet sich mit 30.135 Asylwerbern an siebenter Stelle.
Mehr Anerkennungen
Insgesamt hat sich in Europa zumindest die Zahl der Anerkennungen erhöht. 73.500 Personen wurde der Status als Konventions-Flüchtling zuerkannt, was ein Plus von gut 10.000 oder 16 Prozent bedeutet. Auch die Zahl der aus humanitären Gründen akzeptierten Asylwerber stieg an
- nämlich von 56.500 auf 64.500 (14 Prozent). Von den Herkunftsländern her hatten Afghanen, Iraker und Jugoslawen die besten Aussichten auf Asyl-Gewährung.
Viele unentschiedene Fälle in Österreich
Einen leicht positiven Trend gibt es bezüglich der Entscheidungsfindung. In Europa nahmen die unentschiedenen Fälle um elf Prozent ab. Vor allem in Slowenien und Großbritannien wurde eine Reduktion der anhängigen Verfahren geschafft. Am anderen Ende der Skala steht Österreich, das ein Plus von 53 Prozent bei unentschiedenen Fällen aufweist. Noch schlimmer sieht es in der Slowakei, Zypern, Griechenland, Tschechien, Ungarn und Schweden aus.
Hauptlast liegt auf armen Ländern
Generell hält das UNHCR in seinem Report fest, dass die Hauptlast in der Flüchtlingsaufnahme nicht die reichen Industriestaaten, sondern eher arme Länder zu tragen haben. Bezogen auf die Einwohnerzahl lag Bosnien-Herzegowina bei den Aufnahmeländern im Vorjahr auf Rang eins, gefolgt von Liberia, Mazedonien und Jugoslawien. Österreich findet sich nur auf Rang 54 und damit beispielsweise deutlich hinter Deutschland oder der Schweiz (31 bzw. 32).
Interessant ist auch eine andere Berechnungs-Methode der UNO-Organisation. Nimmt man das Brutto-Inlandsprodukt her, stellten Flüchtlingsströme für Pakistan die größte finanzielle Belastung dar. Dahinter folgen mit der Demokratischen Republik Kongo, Tansania und Äthiopien afrikanische Staaten. Als einziger europäischer Staat unter den Top Ten liegt Jugoslawien an achter Stelle. Österreich findet sich erst auf Position 95.
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