10 Jahre Hofburg-Brand: Knapp an Katastrophe vorbei!
- Neugestaltung kostete rund eine Mrd. Schilling (72,6 Mio. Euro)
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Die Chronologie des Wiederaufbaus
Unbezahlbare Kunstschätze unrettbar verloren, eine Milliarde Schilling Schaden: Der Brand der Hofburg, der vor zehn Jahren in der Nacht auf den 27. November 1992 die Wiener Innenstadt gespenstisch erhellte, gilt als einer der größten seit Kriegsende. Man schrammte damals haarscharf an der Katastrophe vorbei: Nur noch eine Wand trennte die hungrigen Flammen vor den unersetzbaren Kostbarkeiten der Nationalbibliothek - auch Präsidententrakt und Schatzkammer blieben verschont. Im Gegensatz zu den zerstörten Redoutensälen, die fünf Jahre später feierlich wiedereröffnet wurden.
Dem zerstörerischen Feuer der Nacht auf den 27. November 1992 folgten heiße Diskussionen über die Gestaltung der beschädigten Redoutensäle. Wollten die einen den Originalzustand wieder herstellen, plädierten die anderen für eine zeitgemäße Konstruktion im Sinne moderner Architektur. Es kam zur "österreichischen Lösung": ein bisserl was von beidem. Am 26. Oktober 1997 wurden die wieder errichteten Redoutensäle mit einem Festakt eröffnet. Insgesamt hatte die Neugestaltung rund eine Milliarde Schilling (72,6 Millionen Euro) gekostet.
Redoutensäle - kaum bekannt
Bis zum Brand waren die Redoutensäle der Öffentlichkeit nicht wirklich ein Begriff gewesen. Man wusste vielleicht gerade, dass seit 1974 die KSZE darin tagte. Erst im Zuge der Debatten über Restaurierung versus Erneuerung erfuhren viele von der kontinuierlichen Umgestaltung des Großen Redoutensaales seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert. So wurde beispielsweise die gemalte Barockdecke später durch eine Stuckdecke mit wechselnden Dekors ersetzt. Balkone und Treppen wurden ein-, und später wieder ausgebaut. Die Bühnenkonstruktion stammte gar von 1921.
Kunstschätze unwiederbringlich vernichtet
1993 wurde Architekt Manfred Wehdorn mit der Generalplanung beauftragt. Dieser setzte sich massiv für eine Neugestaltung des devastierten großes Saales ein. Decke und Dachstuhl waren eingestürzt, die Sockelzone bis auf viereinhalb Meter Höhe zerstört. Auch der massive Eichenholzboden, zwei Zoll stark, wurde vernichtet. Ein Opfer der Flammen wurden auch die 120 Jahre alten Deckenluster der Firma Lobmeyer. Sie waren übrigens die ersten elektrifizierten Luster, betrieben mittels eines kleinen Kraftwerkes, das sich im Keller befunden hatte. Glück im Unglück gab es für acht von zehn Brüsseler Tapisserien aus dem 18. Jahrhundert, die normalerweise die Wände des großen Saales schmückten: Wie jedes Jahr um die Zeit waren sie in der Reinigung. Die beiden verbliebenen sind unwiederbringlich verloren, die verschonten lagern seither im Kunsthistorischen Museum.
Der kleine Sal wurde wieder hergestellt
Der kleine Saal blieb weitgehend erhalten, lediglich ein Drittel der weißen, mit Gold verzierten Stuckdecke ging kaputt. Doch nicht alles, was gülden glänzte, war tatsächlich aus Gold. Anstelle des Edelmetalls wurde nämlich in früherer Zeit gern eine billigere Messing-Legierung, das "Schlagmetall" verwendet. "Heute ist es umgekehrt", erzählt Burghauptmann Wolfgang Beer im Gespräch mit der APA. "Aufgrund der langwierigen Herstellung von Schlagmetall und der hohen Lohnkosten ist Gold günstiger". Gleich 1,8 Kilogramm davon zieren heute den kleinen Saal, der nach dem 1993 geschlossenen Kompromiss originalgetreu wieder hergestellt wurde. Beer: "Unser Motto war: Alles, was verloren gegangen ist, wird neu gemacht, alles, was erhalten ist, restauriert".
Künstler Jusef Mikl gestaltete den großen Saal neu
Decke, Wand und Boden des großen Saales sollte ein Künstler neu gestalten. Eine Jury entschied sich für Josef Mikl. In Übereinkunft mit dem Denkmalschutzamt setzte er in einem 400 Quadratmeter großem Deckenbild und 22 Einzelbildern Texte österreichischer Autoren malerisch um. Neu wurde auch der Dachraum gestaltet, in dem es heute einen Konferenzraum in Gestalt einer blauen Glaskugel und ein Presse-Foyer gibt. Wehdorn erhielt für die Revitalisierung des Redoutensaaltraktes vor zwei Jahren den internationalen Denkmalpflegepreis "Arpa 2000".
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