Montag, 11. November 2002

18-Jähriger wollte auf Seilbahn zu Tal "surfen"

  • Junger Montafoner überschätzte Neigungswinkel des Seils
  • Betriebsleiter der Bahn und Bergrettung bargen "Abenteurer"

Glimpflich verlief die "Abenteuerlust" eines 18-jährigen Schrunsers am Sonntagabend, der mit einem Sitzgurt versuchte, am Seil der Muttersbergbahn in Bludenz zu Tal zu rutschen. Der "Seilbahnsurfer" kam praktisch nicht vom Fleck und konnte sich aber auch selbst nicht mehr aus seiner Lage befreien.

Er musste um Hilfe schreien und sich von der Bergrettung und dem Betriebsleiter der Bahn bergen lassen. Mit einer leichten Unterkühlung landete der Bursche vorerst im Krankenhaus.

"Es wurde keine Alkoholisierung festgestellt", erklärte die Gendarmerie zu möglichen Hintergründen, "offenbar war das reine Abenteuerlust". Die auch ins Auge hätte gehen können, wie Georg Stampfer, der Betriebsleiter der Bahn erklärte: "Er hat die etwa neun Meter hohe Stütze 2 bestiegen und wollte dann an dem Seil hängend zur Talstation rutschen - das wären etwa 80 Meter Länge. Aber der Neigungswinkel war zu gering, er kam nicht vom Fleck." Sechs Meter vom Seil herabhängend habe er aber auch keine Chance mehr gehabt, sich wieder loszubekommen. Stampfer: "Glück für ihn war auch, dass er nicht aus dem Gurt herausgefallen ist."

Anrainer hörten gegen 19.30 Uhr Hilferufe und alarmierten die Gendarmerie. Bis der Bursche dann geborgen werden konnte, verging etwa eine Stunde. "Ich weiß nicht recht, ob es einem diesen Kick gibt, wenn man das allein macht ...", zweifelt Stampfer an der Version des jungen Mannes, dass er allein gewesen sei. Und auch die Aussage, er hätte den Sitzgurt bei der Talstation "gefunden", will der Betriebsleiter nicht recht glauben: "Für uns ist naheliegend, dass er den Sitzgurt aus einem verschlossenen Bereich genommen hat", formulierte es Stampfer vorsichtig. Bei dem Sitzgurt handelt es sich um einen Ausrüstungsgegenstand von Bauarbeitern, den sie zur Sicherheit gegen Abstürze verwenden: "Es ist ein 5-Punkte-Geschirr mit Karabiner und zwei Sicherheitsleinen", schilderte Stampfer: "Jeder Bauarbeiter will das am Morgen wieder trocken anziehen, so etwas lässt man nicht im Freien liegen!"

Klar ist auf jeden Fall, dass der 18-Jährige bei der Bahn nichts zu suchen hatte: Es handelt sich noch um eine Baustelle, die Muttersbergbahn in Bludenz wird derzeit umgebaut und Mitte Dezember als 1-Seil-Umlaufbahn neu eröffnet.

11.11.2002 09:54