In der Hochburg des Blaufränkischen
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Lange Jahre war das Südburgenland eher ein Hoffnungsgebiet für Insider als eine boomende Weinbauregion. Jetzt beginnen sich die Hoffnungen zu erfüllen.
Wer die Pinkataler Weinstraße entlang durch das Südburgenland fährt, wird dort vor allem zwei Dinge finden: Ruhe und Rotwein. Nicht zu unrecht haben die hiesigen Fremdenverkehrsverbände das – auf zahlreichen grünen Schildern in die Landschaft gepflanzte – Schlagwort von der „Weinidylle“ kreiert. Denn tatsächlich findet sich in Österreich, vom nördlichen Weinviertel vielleicht einmal abgesehen, kaum eine zweite so unverfälschte, naturbelassene Weinlandschaft wie zwischen Rechnitz und Güssing.
Von Wien kommend erreicht man die Region über Oberwart und beginnt seine önologische Erkundungstour am besten in Rechnitz, das vor allem für seinen Welschriesling aber auch für seine verträumten Kellergassen bekannt ist, um sich dann entlang der Pinka und der ungarischen Grenze weiter nach Süden vorzukämpfen (und zu -kosten!).
Die Roten vom Eisenberg
Die önologischen Highlights auf diesem von verschlafenen Dörfern, Häusern mit Ziehbrunnen und einsamen Marterln gesäumten Weg findet man schließlich rund um den Eisenberg, die beste Rotweinlage des Gebietes, und im nahen Deutsch-Schützen. Lange Jahre hat sich hier, abgesehen von einsamen Pionierleistungen der Familien Wiesler, Körper und Krutzler, in Sachen Spitzenweine nichts getan.
Erst in letzter Zeit versuchen immer mehr junge, engagierte Winzer, das zweifellos vorhandene Potential der Region für hervorragende Rotweine zu nützen. Mit demselben Ziel wurde die Vereinigung „Vinum Ferreum“ gegründet, eine Gruppe junger Winzer, die gemeinsam einen Blaufränkischen in einer repräsentativen Menge keltert, der gleichsam als Visitenkarte der Region dienen soll.
Kraftvoll und langlebig
Sowohl die schweren mineralischen Böden – die nicht nur eisenhältig sind, sondern auch mächtige Braunkohlenflöze in sich bergen – als auch die Ausrichtung der Weinberge und das warme aber nicht zu milde Klima erwiesen sich als perfekt für den Rotweinanbau geeignet. Die Weine, die hier entstehen, sind kräftig und dicht, zeichnen sich durch eine erdig-mineralische Note aus und verfügen über ausreichend Struktur und Tanninrückgrat für eine längere Lagerung.
Blaufränkisch versus Cabernet
Mitte der achtziger Jahre, als der Cabernet Sauvignon von Frankreich her kommend seinen Siegeszug im Burgenland antrat, hielt die Rebsorte auch im südlichsten Weinbaugebiet des Landes Einzug. Dass damals hier wohl nicht genügend innovative und zukunftsorientierte Weinhauer am Werk waren, erweist sich heute paradoxerweise eher als Vorteil. Denn während etwa rund um den Neusiedlersee der Cabernet im großen Stil ausgepflanzt wurde, konnte er hier nie so recht Fuß fassen. Statt dessen hielt man eher dem klassischen Blaufränkischen die Treue, der jetzt eine Renaissance erlebt und setzt heute bei neuen Sorten eher auf Merlot, der besser ausreift als der anspruchsvollere Cabernet.
Uhudler und Kellergassen
Etwas im Schatten des starken Rotweinzentrums am Eisenberg findet man weiter im Süden des Weinbaugebietes ebenfalls noch allerlei Sehens- und Kostenswertes. Die eigentliche Weinroute endet in Moschendorf, wo dem sagenumwobenen „Uhudler“ ein eigenes Museum mit Vinothek gewidmet ist. Keinesfalls versäumen sollte man jedoch auch einen Besuch der romantischen Kellergassen von Heiligenbrunn mit ihren strohgedeckten Weinkellern um schließlich diese kleine Weinreise in Raffels Schlemmerparadies zu Jennersdorf kulinarisch ausklingen zu lassen.
Weinland-Info
Das Festhalten an alten Traditionen aber auch Strukturschwäche – die sich unter anderem durch das Fehlen von echter Spitzengastronomie artikuliert – verhinderten hier lange eine rasche Entwicklung in Richtung modernem Qualitätsweinbau. Andererseits hat das angesprochene Traditionsbewußtsein aber auch seine Vorteile.
So hat man entgegen dem österreichweiten Trend zur „Cabernitis“ hier an dem für Böden und Klima ideal geeigneten Blaufränkisch die Treue gehalten und schließlich gibt es ja in den zahlreichen Buschenschänken der Region durchaus auch einen Bedarf an einfachen, süffigen „Schoppenweinen“, die keinen allzu großen Anspruch an den Gaumen stellen.
Die Bandbreite reicht vom Rechnitzer Welschriesling bis zum Uhudler in Heiligenbrunn, wobei die besten Weine der Region sicherlich aus dem Gebiet Eisenberg/Deutsch-Schützen stammen. Vor allem der Blaufränkische nimmt von den tiefgründigen, eisenhältigen Böden ein erdig- mineralisches Aroma an, das ihn österreichweit unverwechselbar macht.
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