Mittwoch, 6. November 2002

Trend hat sich erfolgreich am Markt durchgesetzt

  • Wie wird der neue Weinjahrgang 2002?

Mit diesen Attributen machen Winzer, Weinhändler und Markenverbände dieser Tage ihre Jüngsten schmackhaft. Einst war es den Beaujolais-Winzern vorbehalten, ihren Nouveau Mitte November mit teils groteskem Tamtam auf den Markt zu werfen.

Heute leidet man dort unter dem Image des schnellen und nicht gerade seriösen Weinmachens und bleibt auch auf den guten Qualitäten sitzen. In Österreich hat sich dagegen in den letzten Jahren parallel zum traditionellen Markt ein herbstlicher Jungweinboom etabliert.

Erfolgsgaranten
Ab sofort trinkbereit: Der „Junge Österreicher“ als Dachmarke für Qualitätsweine des neuen Jahrgangs. Der „Steirische Junker“ als Initiative der Marktgemeinschaft Steirischer Wein. Motor hinter dem Junker ist Willi Sattler, der sich über den durchschlagenden Erfolg freut: „Da ziehen 300 Winzer an einem Strang, wir achten auf beste Qualität und kommen trotzdem auf mehr als eine Million Flaschen im Jahr.“

Auch andere Regionen und einzelne Winzer sind mit ihren 'schnellen' Weinen erfolgreich. Beispiele sind der eben präsentierte ‚Junge Wiener’, der Grüne Veltliner ‚Primus Carnuntum’ oder der heuer zum zwanzigsten Mal gefüllte ‚Premiere’ von Top-Rotweinwinzer Johann Reinisch aus Tattendorf. Peter Moser, Chefredakteur der Weinzeitschrift ‚Falstaff’, sieht im Jungweinboom eine sinnvolle Entwicklung: "So werden bis zum nächsten Frühjahr die ganz frischen Weine getrunken. Und zu Ostern kommen dann die gefüllten Kabinette auf den Markt, die dann ersten Trinkgenuss bieten. Nachteil: auch jene Topweine, die lagern sollten, werden heute viel zu jung ausgetrunken."

Weinaussichten für die späte Lese
Die aktuellen 'Schnellschüsse' der Weinwelt dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei vielen Spitzenwinzern derzeit große Nervosität herrscht. Zunächst hatte es nach dem traumhaften Sommer nach einem Spitzenjahrgang ausgesehen. Während die leichteren Kabinette und Federspiele schon in den Kellern sind, regnet es nun genau zur geplanten Ernte der besten Wachauer Smaragde oder der Toplagen in Krems- und Kamptal.

Moser: „Sehr haarig, denn jetzt drohen Botrytis und Fäulnis. Ganz generell wird der 2002er ein Normaljahrgang. Weniger schlimm sind dagegen die Folgen des Hochwassers, höchstens 15 % der Wachauer Lagen waren betroffen. Glücklich die Rotweinwinzer: „Die waren schon im September fertig und erwarten einen sehr guten Jahrgang.“

6.11.2002 15:55
GUSTO-Rezeptsammlung