Infineon: Zweiter Milliardenverlust in Folge
- Neues Rekordminus trotz 2,5-Mrd.-Euro-Sparprogramm
Trotz drastischer Sparanstrengungen ist der Chip-Hersteller Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr noch tiefer ins Minus gerutscht. Mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,14 Mrd. Euro übertraf der Konzern sogar seinen Milliardenverlust vom Vorjahr nochmals um 120 Mill. Euro. Infineon-Chef Ulrich Schumacher begründete das neue Rekordminus mit "unerwartet lang anhaltenden schwierigen Marktbedingungen".
Der Konzernumsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 5,2 Mrd. Euro zurück. An der Börse brach der Aktienkurs nach Bekanntgabe der unerwartet schlechten Zahlen zeitweise um über zehn Prozent ein.
Kostensenkungsprogramms "Impact"
Infineon-Chef Schumacher kündigte angesichts der tiefroten Bilanz eine Fortsetzung des Kostensenkungsprogramms "Impact" an, mit dem das Unternehmen seinen Angaben zufolge seit Juni 2001 bereits rund 2,5 Mrd. Euro einsparen konnte. Nach einem umfangreichen Personalabbau von 5.000 Mitarbeitern in der ersten Phase des Programms gehe es aber nun vor allem um eine Effektivierung von Geschäftsprozessen. Wenn der Halbleiter-Markt wie von Wirtschaftsinstituten vorgesagt wachse, werde es aber zu keinem neuen Stellenabbau kommen, versprach Schumacher.
Preisverfall in Produktbereichen
Infineon leide trotz einer deutlich verbesserten Auftragslage unter einen beträchtlichen Preisverfall in allen seinen Produktbereichen, klagte der Unternehmenschef. Schwarze Zahlen schrieb der Chip-Hersteller nur in seiner zweitgrößten Konzernsparte für Automobil- und Industrieelektronik, die ein Ebit-Ergebnis von 111 Mill. Euro erzielte, was jedoch einem Gewinneinbruch von 22 Prozent entspricht. In seiner stark defizitären Hauptsparte Speicherchips konnte der Konzern seinen Umsatz um 16 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro steigern. Der Verlust konnte hier zwar im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel gesenkt werden, blieb aber immer noch bei 616 Mill. Euro.
Keine Anzeichen für Anstieg der Nachfrage
Obwohl einige Marktforscher eine deutliche Erholung des Halbleitermarkts bereits für das kommende Jahr erwarten, gab sich Schumacher zurückhaltend: "Der Ausblick für die kommenden Monate zeigt noch keine eindeutigen Anzeichen für einen nachhaltigen Anstieg der Nachfrage", betonte er. "Wir erwarten auch, dass der Preisdruck in allen Bereichen während der kommenden Monate anhält." Dennoch sieht Schumacher bei Infineon einen Aufwärtstrend: Drei der fünf Infineon-Sparten hätten im letzten Geschäftsquartal operativ bereits wieder schwarze Zahlen geschrieben.
Schumacher zeigte sich trotz des neuen Rekordminus optimistisch, dass Infineon von einer Markterholung "als eines der ersten Unternehmen" profitieren werde. Den größten Nachholbedarf der Branche sehe er auf dem Markt der Computer-Speicherchips, auf dem Infineon eine Technologieführerschaft besitze.
"Wir haben entschlossen auf die Krise reagiert", betonte Schuhmacher angesichts der deutlichen Kosteneinsparungen. Außerhalb Europas erwirtschafte das Unternehmen inzwischen 54 Prozent seines Umsatzes. Insbesondere auf dem wachsenden asiatischen Markt habe Infineon unter anderem mit Partnerschaften mit Sony und Toshiba erfolgreich Fuß fassen können. Schumacher bekräftigte das ehrgeizige Ziel unter die vier größten Halbleiter-Unternehmen der Welt aufzurücken und den weltweiten Marktanteil auf sechs Prozent zu verdoppeln.
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