Dienstag, 5. November 2002

Erster Teilrückzug von TI abgeschlossen

Die Telecom Italia (TI) hat ersten Teilrückzug aus der Telekom Austria (TA) abgeschlossen. 65 Millionen TA-Aktien, rund die Hälfte aller Anteile der Italiener, sind außerbörslich über die Investmentbanken J.P. Morgan, Merril Lynch und Lehman Brothers sind für 7,45 Euro an Finanzinvestoren verkauft worden.

Diese Zahlen teilte die Telekom Austria Dienstagfrüh mit. Die Italiener erziehlten damit einen Gesamterlös von 484,25 Mill. Euro für den Verkauf von rund 13 Prozent der TA. Eingestiegen waren die Italiener für 1,98 Milliarden Euro - das waren damals 16 Euro pro Aktie. Jetzt bekommen sie für ihr halbes Paket nur noch 484,25 Millionen Euro - das sind 7,45 Euro pro Aktie.

Institutionelle Investoren
Zugeschlagen haben institutionelle Investoren in den Vereinigten Staaten, aber auch professionelle Investoren aus Österreich und anderen Ländern außerhalb der USA. Offen ist noch, ob auch der so genannte Greenshoe (Mehrzuteilungsoption) genützt wird. Innerhalb der nächsten 30 Tage kann die TI im Rahmen dessen zusätzlich noch bis zu 10 Millionen Aktien verkaufen.

Zulassung zum Handel noch ausständig
Die nun von der Telecom Italia (TI) verkauften Aktien der Telekom Austria (TA) müssen allerdings erst zum Handel an der Wiener Börse zugelassen werden. Dazu werden diese und alle anderen noch nicht handelbaren TA-Anteile - auch jene der ÖIAG - noch heute, Dienstag, von Namens- auf Inhaberaktien umgewandelt, teilte die TA am Dienstag weiter mit. Der erste Handelstag für die Aktien wird demnach voraussichtlich der 6. November 2002 sein.

Höherer Streubesitz der TA
Der Streubesitz der TA erhöht sich mit dem Teilverkauf der TI kräftig zunächst von 115 auf 180 Millionen, bei Ausnützung des Greenshoes auf 190 Millionen Aktien und damit von derzeit bisher 23 auf 36 bzw. 38 Prozent. Der Anteil der Italiener an der TA reduziert sich damit zunächst von 29,8 auf knapp unter 17 Prozent und in den nächsten Tagen voraussichtlich weiter auf 15 Prozent. Die TI verliert damit alle noch verbliebenen speziellen Aktionärsrechte, die ihr auf Grund eines Syndikatsvertrags mit dem TA-Haupteigner ÖIAG (47,2 Prozent) zugesichert waren.

Vereinbarter TI-Ausstieg
Der schrittweise Ausstieg der Italiener aus der TA war mit der ÖIAG bereits Anfang Juni vereinbart worden. Ihre restlichen TA-Anteile darf die TI gemäß dieses Agreements erst im kommenden Jahr veräußern. Der Rückzug der TI aus Österreich erfolgt im Rahmen des Verkaufs mehrerer Auslandsbeteiligungen. Die TI will damit ihren riesigen Schuldenberg abbauen. Ende 2001 hatte der Schuldenstand der Italiener noch 21,9 Mrd. Euro betragen. Bis Jahresende peilt der Chef der Telecom Italia, Marco Tronchetti Provera, einen Schuldenstand von 18,3 Mrd. Euro an.

Positive Analysten-Meinung
Analysten bewerten den Rückzug der TI aus der TA positiv. Der "Mühlenstein des drohenden Aktienüberhangs" sei mit dem nunmehrigen Verkauf der Anteile weggefallen. Die Erhöhung des Streubesitzes mache die TA für Investoren interessanter, so die Analysten. Am Montag nach Ankündigung des Teilverkaufs der Italiener fiel der Kurs der TA zunächst aber um 1,95 Prozent auf 7,55 Euro je Aktie. Analysten begründen das damit, dass durch die hohe außerbörsliche Platzierung die Nachfrage an der Börse kurzfristig gesunken ist.

5.11.2002 14:09