Geheimnis Seitensprung: Wer es wo und wie oft tut

Viel geliebt in Österreich: Von wegen Treue – Seitensprünge sind bei uns an der Tagesordnung. Und das Internet heizt den Fremdgeh-Boom noch zusätzlich an.
Die Adresse ist stadtbekannt; wird sie einem Taxifahrer genannt, umspielt fast reflexartig ein verschmitztes Lächeln seinen Mund: Wien – Innere Stadt, Tiefer Graben Nummer 30. Hier, an historischer Stätte am Fuße der Kirche Maria am Gestade, residiert seit 106 Jahren das Hotel Orient. Der Bau, von außen zurückhaltend-nobel, innen feinstes Fin de Siècle, ist nicht nur ein optisches Schmuckstück, sondern auch für alle anderen Sinne ein wolllüstiges Erlebnis. Denn hier befindet sich das bekannteste und schönste Stundenhotel Österreichs, wenn nicht Europas.
Und es ist vermutlich auch eines der längstdienenden Etablissements dieser Art in der Donaumetropole. Denn nach wie vor zieht es nicht nur Wien-Touristen und Literaten in seinen Bann, sondern vor allem Fremdgänger aller Schichten. Wer unter der Woche tagsüber ein Zimmer will, meldet sich besser früh an – oder hofft, dass einem anderen Liebespärchen kurzfristig etwas dazwischenkommt. Orient-Geschäftsführerin Gerti Pertiller resümiert: „Nur am Wochenende können Sie sofort ein Zimmer haben, denn da sind unsere üblichen Kunden daheim bei ihren Familien.“ Werktags hingegen heißt es: Bitte warten.
Seitensprung – immer aktuell
Diese ungebrochen hohe Frequenz außerehelicher Betriebsamkeit im Orient lässt zweifellos darauf schließen, dass es um die partnerschaftliche Treue nicht so gut bestellt ist, wie es sich vor allem Kleriker aller Konfessionen wünschen. Auch die letzte große Umfrage zum Thema, durchgeführt vom Psychologen und Therapeuten Walter Hoffmann vom Institut für Angewandte Tiefenpsychologie (IFAT), weist in diese Richtung. Dabei kam Folgendes heraus:
Dunkelziffer noch viel höher
Wobei all diese Zahlen nur das offizielle Bild widergeben. Experten wie die Wiener Psychologin und Sexualtherapeutin Rotraud Perner schätzen, dass die Dunkelziffer noch bedeutend höher liegt: „Gerade bei einem so heiklen Thema muss man davon ausgehen, dass nahezu jeder lügt. Wobei interessanterweise manche Menschen bezüglich ihrer Seitensprung-Empfänglichkeit eher untertreiben, während andere schamlos übertreiben.“´
Tatsache ist auf jeden Fall, dass der Betrug am Partner ebenso zum Menschsein gehört wie die Partnerschaft an sich. Perner: „Keiner ist gefeit davor, seinen Partner zu betrügen. Wir sind alle nur Menschen, und es kann jedem Einzelnen passieren.“
„Seitensprung-Turbo“ Internet
Erleichtert und dadurch zusätzlich noch angefacht wird das wilde Treiben in fremden Betten vor allem durch die neuen interaktiven Kommunikationsmedien. Insbesondere das Handy mit seinen vielen Möglichkeiten zur vom Partner unbemerkten Kommunikation (SMS, Mailbox, MMS) sowie das Internet wirken auf unsere Gesellschaft wie wahre „Seitensprung-Turbos“. Wer in die Suchmaschine Google den Begriff „Seitensprung“ eingibt, erhält mehr als 10.700 Seiten allein aus Österreich. Im deutschen Web sind mit diesem Schlagwort sogar mehr als 447.000 Seiten zu finden. Zwar bieten natürlich nicht alle diese Seiten so genannte „Seitensprung-Börsen“ an. Aber deren Zahl wächst trotzdem ständig.
Autor: Martin Kubesch
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