Sonntag, 10. November 2002

Umfrage: Ärger über Euro stieg in Österreich

  • Jeder Dritte heute Euro-Gegner, seit Jänner verdoppelt
  • 92 Prozent klagen über Preissteigerung durch neue Währung

Der Ärger über den Euro ist in Österreich seit seiner Einführung als Bargeld massiv gestiegen. Die Zahl der Euro-Gegner hat sich seit Jänner mehr als verdoppelt und liegt bei 36 Prozent. Jeder Dritte rechnet immer noch alle Beträge in Schilling um. Das sind einige Ergebnisse einer Umfrage, bei der zehn Monate nach der Währungsumstellung nochmals dieselben Menschen befragt wurden, die schon im Jänner interviewt worden waren.

Wie stehen Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Euro-Einführung geäußert haben, jetzt der neuen Währung gegenüber? Dieser Frage gingen zwei Wirtschaftspsychologen der Universität Salzburg mit ihren Studierenden nach. Eine Panel-Stichprobe aus Salzburg und Oberösterreich (je 50 Prozent Männer und Frauen, Alters- und Berufs-Mix, Stadt und Land) wurde insgesamt drei Mal (Anfang Dezember 2001, Mitte Jänner und im Oktober 2002) interviewt. Die Ergebnisse seien im Großen und Ganzen für Österreich repräsentativ, weil alle Schichten im städtischen und ländlichen Raum befragt worden seien, so Alexander Keul, einer der beiden Studien-Autoren.

Nur noch 50% Euro-Freunde
36 Prozent der Befragten deklarieren sich heute als Euro-Gegner, im Jänner waren es nur 15 Prozent. Die Euro-Befürworter reduzierten sich im gleichen Zeitraum von 59 auf nunmehr 50 Prozent. Dass der Euro eine große Chance für Österreich sei, befürworteten heuer im Jänner noch 61 Prozent der Befragten, im Oktober waren es nur mehr 43 Prozent. Andererseits meinten im Jänner 29 Prozent, der Euro sei den Österreichern von außen aufgezwungen worden, jetzt glauben das 49 Prozent.

Wie sieht es mit dem alltäglichen Umgang mit der neuen Währung aus? Etwa jeder Zweite glaubt, darin bereits Sicherheit zu haben (im Jänner noch unter 40 Prozent). Mit etwa einem Drittel gleich geblieben ist die Zahl jener, die noch alles in Schilling umrechnen. Größere Beträge rechnen jetzt zwei Drittel um (im Jänner jeder Zweite). Die Zahl derer, die voller Vertrauen nichts mehr umrechnen, fiel von 15 auf magere fünf Prozent.

"Die Meinung, die Preise würden durch den Euro sinken, war trotz beruhigender Werbung nie sonderlich populär und sank inzwischen auf Null. Erwartete noch im Jänner jeder Zweite gleich bleibende Preise, sind es jetzt unter zehn Prozent", so Keul. 92 Prozent ärgern sich, dass die Preise durch den Euro gestiegen seien. Rund um die Jahreswende waren es nur etwa 40 Prozent, die das glaubten.

Bei den geäußerten Gefühlen zum Euro verschwanden Nervosität, Trauer und Neugier, während Ärger, Wut und Zorn neu dazukamen und inzwischen jeden Vierten bewegen. Für den weiteren Umgang mit den Euro-Gefühlen von Herrn und Frau Österreicher raten die Wirtschaftspsychologen, Probleme ehrlich anzusprechen und nicht unter den Teppich zu kehren. Nicht eingelöste Versprechungen würden dagegen weiter Ärger erzeugen. Der Gefühls-Zwiespalt durch den Währungstausch werde uns jedenfalls noch länger begleiten.

Kritikern, die den Stimmungswandel bei der Panel-Umfrage allein auf die abbröckelnde Zahl der Befragten (235 im Dezember 2001, 207 im Jänner 2002 und 136 im Oktober 2002) zurückführen wollen, hält Keul entgegen: "Die prozentuelle Zusammensetzung der Stichprobe im Oktober 2002 unterscheidet sich nicht von den ersten zwei Befragungen. Daran kann es also nicht liegen."

10.11.2002 08:26