Stadt Wien bietet Finanzspritze für Wiener Grundig
- Ein bis zweistelliger Millionen-Euro-Betrag in Aussicht
- Kein Kommentar von Grundig
Die Stadt Wien will das Wiener Werk des angeschlagenen deutschen Grundig-Konzerns mit einer kräftigen Finanzspritze retten. Der Wiener Vizebürgermeister Sepp Rieder (S) hat dem Konzern eine öffentliche Unterstützung in ein bis zweistelliger Millionen-Euro-Höhe in Aussicht gestellt, wenn die Entwicklung des Konzerns nach Wien verlagert wird. Wichtig sei, dass das Werk die nächsten "kritischen Monate überlebt", sagte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer.
Im Grundig-Werk in Wien Meidling arbeiten derzeit rund 1.000 Mitarbeiter. Die Stadt Wien würde gemäß dem Rieder-Vorschlag im Rahmen einer Unternehmensstiftung die Ausbildungskosten übernehmen. Das wäre EU-konform, sagte der Stadtrat zur APA.
Grundig Austria-Chef Herbert Mraz bezeichnete heute die Lage als "angespannt". Ob Grundig das Angebot der Stadt Wien annehmen wird, ist aber noch offen. Mraz meinte auf APA-Anfrage, das Projekt sei "noch zu unreif, um darüber zu reden". Derzeit sei "alles in Schwebe". Die Verhandlungen mit möglichen Investoren für Grundig liefen "in alle Richtungen". Eine Entscheidung werde es bis Ende des Jahres geben. Die Wiener Fernseher-Produktion werde aber sicher nicht eingestellt, widersprach Mraz einem jüngsten Bericht der deutschen "Wirtschaftswoche".
"Wir haben zu wenig Arbeit. Das ist eine schwierige Situation für jeden einzelnen", sagte der Wiener Grundig-Geschäftsführer im Gespräch mit SP-Chef Gusenbauer. Künftig wolle man in Wien daher nicht nur für Grundig, sondern auch für andere Unternehmen Fernseher produzieren.
Hintergrund der Suche nach neuen Partnern ist die Überlegung des Grundig-Konzerns, die Produktion komplett einzustellen. Der von drei Investoren aussichtsreichste Kandidat, der den angeschlagenen Grundig-Konzern retten könnte ist, - laut Branchenkreisen das taiwanesische Unternehmen Sampo Technology - will angeblich nur Vertrieb und Marke übernehmen.
Der deutsche Grundig-Konzern kämpft seit Jahren mit einer schlechten Eigenkapitalausstattung. Zum Jahresende 2001 betrug das Eigenkapital mit damals 31 Mill. Euro nur noch 4,6 Prozent der Bilanzsumme. Ende 2001 hatte das Unternehmen bei Banken Verbindlichkeiten in Höhe von 122 Mill. Euro angehäuft. Im vergangenen Jahr wurde bei 1,28 Mrd. Umsatz Euro ein Verlust von 150 Mill. Euro eingefahren. Die Banken hatten erst im September einer Verlängerung der Kreditlinien zugestimmt, nachdem Sampo eine Absichtserklärung über eine Beteiligung an dem deutschen Hersteller unterzeichnet hatte.
SP-Chef Gusenbauer betonte, dass das Wiener Werk im Gegensatz zum Gesamtkonzern eine wettbewerbsfähige Struktur habe. Das Werk habe eine hohe Eigenkapitalquote, es sei daher wichtig für Wien einen Partner zu finden. Bei den Gesprächen mit Mitarbeitern habe sich gezeigt, dass die Belegschaft, trotz der Krisenstimmung, noch immer optimistisch sei. Die Politik, und da vor allem die Gemeinde Wien, sei bemüht das Werk zu halten, sagt Gusenbauer.
Parallelen zieht der SP-Chef in dieser Hinsicht zu den Bemühungen von Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) um das Semperit-Reifenwerk Traiskirchen. Vranitzky sei noch belächelt worden, als er dem Continental-Chef nach Deutschland nachgeflogen sei, das Werk habe dadurch aber einige Jahre in Österreich weiter produziert. Die jetzige Regierung hingegen habe bei Semperit "die Hände in den Schoß gelegt".
Nicht immer könne die Politik in der freien Marktwirtschaft erfolgreich sein, räumt Gusenbauer ein, aber "wer es nicht versucht, verpasst die Chance etwas zu verändern".
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