Mittwoch, 6. November 2002

ufthansa kann Höhenflug nicht halten

  • Warnung vor überzogenen Lohnforderungen

Ein Jahr nach der schwersten Branchenkrise der Flugesellschaften ist die deutsche Lufthansa zwar wieder im Steigflug, erwartet aber eine harte Landung: Die Lufthansa hat ihre Ergebnisprognose für 2002 erhöht, zugleich aber einen operativen Verlust für das vierte Quartal angekündigt. Die Fluggesellschaft rechne 2002 nunmehr mit einem operativen Ergebnis von 700 bis 750 Mill. Euro, nachdem der Konzern in den ersten neun Monaten bereits 790 Mill. Euro verdient hatte, teilte die Lufthansa am Mittwoch mit.

Das Unternehmen rechne im vierten Quartal mit verstärkten Risiken aus politischen und konjunkturellen Unsicherheiten, weshalb das Ergebnisniveau der ersten neun Monate nicht gehalten werden könne.

Mit dem neuen Ergebnisziel erhöht die Lufthansa in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ihre Geschäftsprognose, die zunächst bei 400 Mill. Euro und dann bei "mindestens" 500 Mill. Euro gelegen hatte. Nach Steuern will das Unternehmen im Gesamtjahr 600 bis 650 Mill. Euro verdienen nach einem im Vorjahr angefallenen Fehlbetrag von 633 Mill. Euro.

Der Aktienkurs der Lufthansa reagierte zunächst positiv auf die Zahlen, drehte aber nach der Ankündigung des Verlustes für das vierte Quartal ins Minus.

Mit einem operativen Gewinn von 790 Mill. Euro hat die Lufthansa in den ersten neun Monaten sowohl den Vorjahreswert von 290 Mill. Euro deutlich übertroffen als auch die Analystenschätzungen von durchschnittlich 611 Mill. Euro. Auch erfüllte die Fluglinie ihre Vorhersage, in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Nachsteuergewinn ausweisen zu wollen, nachdem im ersten Halbjahr noch ein Verlust von 27 Mill. Euro angefallen war. 344 Mill. Euro erwirtschaftete die Gesellschaft netto im Vergleich zu 65 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum.

Der Konzernumsatz belief sich von Jänner bis September auf 12,6 Mrd. Euro und lag damit um 2,7 Prozent über dem Vorjahreswert, aber leicht unter der Analystenschätzungen von 12,76 Mrd. Euro. Die ausschlaggebenden Verkehrserlöse sanken indes im Vorjahresvergleich um 3,7 Prozent auf 9,1 Mrd. Euro.

Zugleich reduzierte die Lufthansa in den ersten neun Monaten ihre Nettokreditverschuldung auf 2,1 Mrd. Euro bei einer Zunahme des operativen Cash-Flow um mehr als 55 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Ungeachtet dessen würden Investitionen weiter restriktiv gehandhabt, hieß es.

Warnung vor überzogenen Lohnforderungen
Kritische Worte richtete Lufthansa-Chef Weber auch an die Adresse der Gewerkschaften und der neuen deutschen Regierung. Mit Blick auf die jüngst angelaufenen Tarifverhandlungen für die rund 52.000 Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals warnte der Vorstandsvorsitzende vor überzogenen Lohnforderungen. Und alleine aus den Auswirkungen der Koalitionsverhandlungen sehe er eine Mehrbelastung für die Lufthansa von 130 Mill. Euro, fuhr Weber fort.

6.11.2002 15:43