Mittwoch, 6. November 2002

"Ohne Handy fühlen wir uns nackt"

  • 79 Prozent haben Handy immer bei sich
  • Jugendliche nutzen SMS

Die "Liebe" der Österreicher zum Handy nimmt weiter zu. Bereits 79 Prozent aller Handybenutzer haben ihr Mobiltelefon immer bei sich. "Wir möchten immer und überall erreichbar sein. "Ohne Handy fühlen wir uns nackt, bekommen Entzugserscheinungen", so Fessel-GfK-Geschäftsführer Rudolf Bretschneider bei der Präsentation der Studie über neue Trends im Mobilfunk im November 2002.

Laut der im Auftrag der Mobilfunktochter der Telekom Austria, Mobilkom Austria, im September durchgeführten Umfrage benutzen 71 Prozent der Österreich ein Handy. Bei den 15- bis 30-Jährigen sind es über 90 Prozent, bei den 50- bis 59-Jährigen bereits 66 Prozent. Für die Mehrheit der Österreicher (61 Prozent) ist das Handy zu einem persönlichen Gegenstand geworden. Der Anteil jener, die das Handy bloß als Störenfried empfinden, ist gegenüber dem Vorjahr von 44 auf 26 Prozent zurück gegangen.

77 Prozent der Handynutzer sehen das Handy als Hilfe im Alltag und sind der Meinung, dass das Handy ihr Leben vereinfacht, wobei der Anteil bei den Frauen mit 80 Prozent gegenüber 74 Prozent bei den Männern höher liegt. Es helfe bei der Koordination der Familie (75 Prozent) und steigere die private Lebensqualität (42 Prozent).

"Es gibt fast keine Handy-freien Zonen mehr", stellte der Marktforscher fest. 30 Prozent der Handynutzer schalten ihr Handy generell nicht mehr ab. Haben vor einem Jahr noch 34 Prozent ihr Handy im Restaurant abgeschaltet, tun dies jetzt nur mehr 22 Prozent, 24 (17) Prozent schalten es auf lautlos und bereits 24 (19) Prozent schalten es nicht ab.

Auch bei einem Kino-, Theater- oder Konzertbesuch werden nur 51 (59) Prozent der Handys abgeschaltet, bei wichtigen privaten Unterhaltungen bleiben 70 (64) Prozent der Handys eingeschaltet, sogar bei romantischen Verabredungen schalten nur 41 (43) Prozent ihr Handy ab. Nur 13 (16) Prozent scheuen sich noch, in öffentlichen Verkehrsmitteln zu telefonieren und haben ihr Handy dort ausgeschaltet. Zu Hause sind 88 (83) Prozent mobil erreichbar, nur 12 Prozent schalten das Handy komplett aus und sind nur über Festnetz erreichbar.

"Das Telefonieren in der Öffentlichkeit wird völlig normal", so Bretschneider. So habe der Anteil jener, die bei dieser Gelegenheit den Anruf auf später verlegten, "dramatisch" von 57 auf 37 Prozent abgenommen. Die Meisten - 46 (32) Prozent - würden aber kürzer telefonieren, während der Anteil jener, die genau in der Öffentlichkeit genau so telefonieren, als ob sie alleine wären, von 8 auf 16 Prozent angestiegen ist.

Jugendliche nutzen SMS
SMS bleibt weiter das Kommunikationsmittel der Jungen, das von diesen zu 95 Prozent genutzt wird gegenüber 64 Prozent im Schnitt aller Nutzer. SMS werden hauptsächlich aus Spaß, als Mailbox- oder Telefonat-Ersatz geschrieben. 47 Prozent der Handynutzer meinen, es eigne sich zum Bestellen von Eintrittskarten und um Infos vom Netzbetreiber zu erhalten. Im Schnitt werden von den Jungen wöchentlich 23,4 SMS per Handy oder Internet verschickt, gegenüber durchschnittlich 7,6.

Aber auch die Generation über 50 schätzt laut einer früheren Umfrage aus 2001 das Handy und sieht es im Wesentlichen als Alltagshilfe. 43 Prozent, also über 1 Million, nutzten bereits ein Handy. Neben Fernsehen, Radio hören, Zeitung/Illustierte lesen gehört Telefonieren zu den liebsten Beschäftigungen dieser Generation. Laut Bretschneider ist ein Wandel in der Einstellung zur Nutzung der neuen Technologien Handy und Internet eingetreten, die "Technikfeindlichkeit" habe mit der Benutzerfreundlichkeit abgenommen.

Die Österreicher schätzen das Handy insgesamt hauptsächlich wegen dem Gefühl der Sicherheit (94 Prozent) und der Möglichkeit, jederzeit andere Personen erreichen zu können (86 Prozent). Sich zwischendurch ergebende Wartezeiten werden von 57 Prozent für Terminkoordinationen oder zum Plaudern verwendet. 56 Prozent schätzen die Möglichkeit, spontaner Treffen zu vereinbaren und 52 Prozent fühlen sich Freunden und Bekannten näher.

Befragt nach interessanten Anwendungsmöglichkeiten nannten 69 Prozent ortsbezogene Dienste (LBS - Location Based Services), 65 Prozent M-Commerce, 63 Prozent die Möglichkeit der Sprachsteuerung - etwa im Auto -, und 63 Prozent MMS-Anwendungen.

6.11.2002 14:48