US-Notenbank tagt in Washington
- Viele Analysten rechnen mit erster Zinssenkung in diesem Jahr
Mit großer Spannung erwarten Wirtschaftslenker und Börsenmakler die Zins-Sitzung der US-Notenbank (Fed) an diesem Mittwoch. Angesichts der anhaltend enttäuschenden Wirtschaftsdaten und wenig Anzeichen für einen baldigen Wachstumsschub rechnen viele Analysten mit einer neuen Senkung der Leitzinsen.
Dafür hatten sich bereits bei der Sitzung im September zwei Gouverneure ausgesprochen. Sie wurden aber von der Mehrheit im Offenmarktausschuss überstimmt.
Es wäre die erste Zinssenkung in diesem Jahr. Fed-Chef Alan Greenspan hatte auf den rasanten Wachstumseinbruch im vergangenen Jahr mit elf Zinssenkungen reagiert, die letzte davon im Dezember. Der Satz für Tagesgeld liegt seit dem auf einem 40-Jahrestief von 1,75 Prozent. Analysten halten eine Senkung um einen viertel bis einen halben Prozentpunkt für möglich.
Die Demokraten hatten vor den Kongresswahlen am Dienstag vergeblich versucht, die Aufmerksamkeit der Amerikaner auf die wenig optimistischen Wirtschaftsdaten zu lenken. Das Thema spielte angesichts der Irak-Krise und des Anti-Terror-Kampfs im Wahlkampf eine untergeordnete Rolle.
Bisher malen Ökonomen nicht das Gespenst einer zweiten Rezession innerhalb von 18 Monaten an die Wand. Allerdings fürchten viele, dass die US-Wirtschaft in der derzeitigen Verfassung Gefahr läuft, durch äußere Schocks - etwa eine Ölpreis-Explosion als Folge eines Irak- Kriegs - erneut einzuknicken. Eine Leitzinssenkung wäre Anreiz für günstig finanzierbare Unternehmensinvestitionen und verschaffte Verbrauchern durch niedrigere Hypothekenzinsen mehr Bargeld für den Konsum.
Die Auftragseingänge der Industrie sind im September zum dritten Mal in den vergangenen vier Monaten zurückgegangen, wie das Handelsministerium Anfang der Woche mitteilte. Grund seien die schwache Verbrauchernachfrage und träge Unternehmensinvestitionen. Die Arbeitslosenquote stieg im Oktober von 5,6 auf 5,7 Prozent.
Im laufenden Quartal rechnen Ökonomen mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum als in den vorhergehenden drei Monaten. Sie halten rund zwei Prozent für möglich. Im 3. Quartal hatte die US- Wirtschaft 3,1 Prozent auf hochgerechneter Jahresrate zugelegt.
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