Montag, 4. November 2002

Leistungsbilanz im Halbjahr mit leichtem Überschuss

  • Österreichische Investitionen im Ausland mehr als verdoppelt
  • Positiver Saldo von rund einer halben Milliarde Euro

Die österreichische Leistungsbilanz wies im ersten Halbjahr 2002 auf Transaktionsbasis einen Überschuss von rund einer halben Milliarde Euro aus, nach einem Defizit von 2,0 Mrd. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Als Gründe nannte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Montag ein höheres Aktivum der Güter- und Dienstleistungsbilanz sowie ein geringeres Passivum der Einkommensbilanz.

"Die Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis unterscheidet sich von der monatlichen als Erstinformation veröffentlichten Cash-Bilanz vor allem durch die periodenrichtige Zuordnung der Zahlungsströme und ist daher nur bedingt vergleichbar", erklärt die OeNB.

Für die gesunkenen Importe war laut OeNB die schwache inländische Nachfrage wesentlich.

7 Prozent Plus bei Reiseverkehr
Der Reiseverkehr, die bedeutendste Einzelkomponente der Dienstleistungen, zeigte bei den Reiseverkehrseinnahmen eine Zunahme um rund 7 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro. Bei den Reiseverkehrsausgaben ergibt die seit der Einführung des physischen Euro notwendige Ermittlung aus Stichprobenbefragungen ein gegenüber dem Vergleichszeitraum 2001 verändertes - der ökonomischen Realität aber besser entsprechendes - Saisonmuster. Rein rechnerisch ergibt sich für die Reiseverkehrsausgaben des ersten Halbjahres 2002 im Vorjahresvergleich eine Abnahme, tatsächlich dürften die Ausgaben der Österreicher für Auslandsreisen um rund 5 Prozent zugenommen haben. Demzufolge dürfte auch die gesamte Ergebnisverbesserung des Reiseverkehrssaldos (von 1,7 auf 2,5 Mrd. Euro) um rund eine halbe Milliarde Euro überzeichnet sein.

Das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen war im Berichtshalbjahr mit 1,0 Mrd. Euro um 0,8 Mrd. Euro niedriger als im Vergleichszeitraum 2001. Laut OeNB ist dies überwiegend auf die Einkommen aus dem kurzfristigen Kapitalverkehr zurückzuführen.

Die laufenden Transfers schlossen mit einem Defizit in Höhe von 1,1 Mrd. Euro. Die Vermögensübertragungen waren so wie im Vergleichszeitraum 2001 nahezu ausgeglichen.

Die österreichische Kapitalbilanz drehte im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem Ergebnis der Vorjahres-Vergleichsperiode von einem Kapitalimport in einen Kapitalexport, der sich aus Kapitalabflüssen aus Direktinvestitionen, Portfolio-Investitionen und Finanzderivaten sowie Kapitalzuflüssen im Bereich der Sonstigen Investitionen ergibt.

Österreicher investieren im Ausland
Im Bereich der Direktinvestitionen österreichischer Investoren im Ausland wurde mit 3,2 Mrd. Euro der Vorjahresvergleichswert mehr als verdoppelt. Die ausländischen Direktinvestitionen in Österreich waren dagegen mit 0,6 Mrd. Euro deutlich niedriger als im ersten Halbjahr 2001.

Die Teilbilanz "Portfolioinvestitionen" verzeichnete im Vorjahresvergleich deutlich höhere Erwerbsvolumina sowohl bei Wertpapierveranlagungen österreichischer Investoren im Ausland als auch bei Wertpapierkäufen von ausländischen Anlegern in Österreich: Der Erwerb von ausländischen festverzinslichen Wertpapieren erreichte im Berichtszeitraum 16,2 Mrd. Euro (erstes Halbjahr 2001: 12,4 Mrd. Euro), die Veranlagung in ausländische Anteilspapiere betrug 2,7 Mrd. Euro. Österreichische Rentenwerte wurden von ausländischen Investoren im Ausmaß von 16,0 Mrd. Euro erworben; der Kauf von inländischen Anteilspapieren durch ausländische Anleger erreichte ein Volumen von 1,2 Mrd. Euro. Per Saldo reduzierte sich der Kapitalexport im Bereich der Portfolioinvestitionen im Vergleich zur Vorjahresperiode von 2,4 auf 1,8 Mrd. Euro.

Die Teilbilanz "Sonstige Investitionen" ergab im Berichtszeitraum Kapitalzuflüsse in Höhe von 0,3 Mrd. Euro gegenüber Kapitalabflüssen von 1,3 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 2001.

4.11.2002 12:07