Schweiz erlebte größten Streik seit 55 Jahren
- Mobilisierung von über 15.000 Bauarbeitern
- Frühpensionierung ab 60 gefordert
Über 15.000 Bauarbeiter haben sich in der Schweiz laut Gewerkschaften am heutigen Streik für eine Durchsetzung von Frühpensionierungen mit 60 auf dem Bau beteiligt. Während sich die Gewerkschaften zufrieden zeigten, sprachen die Baumeister von einer schwachen Beteiligung.
In der ganzen Schweiz wurden am Montag über 100 Baustellen lahmgelegt. Laut den Gewerkschaften GBI und Syna handelt es sich dabei um den größten Streik, den die Schweiz seit über 55 Jahren gesehen habe. Demgegenüber teilte der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) mit, dass der Aufruf nur schwach befolgt worden sei. Die Bauarbeiter würden Verhandlungen dem Streik vorziehen. Der Streik sei "sinnlos, kontraproduktiv und illegal".
Harte Fronten
Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten sich im März dieses Jahres auf die Frühpensionierung geeinigt. Im September machte der Arbeitgeberverband dann einen Rückzieher. Der Verband bezeichnete die Vereinbarung nur als Vorvertrag und verlangte eine Nachbesserung von Eckwerten. Mit dem Streik wollen die Gewerkschaften den Druck auf die Arbeitgeber verstärken.
Die Streiks verliefen mehrheitlich friedlich. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern oder Baustellenleitern, wie es von Gewerkschaftsseite hiess. Einzelne Arbeitgeber sollen den Streikenden mit der Kündigung oder Lohnkürzungen gedroht haben.
A1 blockiert
Symbolträchtiger Höhepunkt des Streiktages war die vorübergehende Blockierung des Baregg-Tunnels. Bei der Autobahn- Baustelle an diesem Nadelöhr versammelten sich am Nachmittag gegen 2.000 Arbeiter. Der Verkehr auf der A1 kam sowohl in Richtung Zürich als auch in Richtung Bern zum Erliegen.
Nicht gestreikt wurde im Wallis. Die Walliser Sektion der Gewerkschaft GBI verzichtete auf einen Streikaufruf. Der Walliser Unternehmerverband und die Gewerkschaft Syna hatten einen Vertrag unterzeichnet, wonach ab 2003 die vorzeitige Pensionierung ab 62 möglich wird.
Drohungen
Sollten die Gewerkschaften auf taube Ohren stoßen, wollen sie den Streik in der Woche vom 18. November fortsetzen und große Baustellen während einer längeren Zeit lahm legen. Bereits im Vorfeld des nationalen Streiktags haben auf mehreren Bauststellen Protestkundgebungen stattgefunden, um auf die Baumeister Druck auszuüben.
Der Streik stellt nach Angaben der Baumeister einen Vertragsbruch dar. Deshalb werde Klage eingereicht. Der SBV lasse sich nicht von seiner Position abbringen und werde sein Angebot für die nächsten Verhandlungen vom 7. November nicht erneuern, hieß es am vergangenen Donnerstag an einer Pressekonferenz. Beim Papier vom Frühjahr habe es sich lediglich um einen Vorvertrag gehandelt.
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