Montag, 4. November 2002

Nach 4:0 vs. Sturm: Austria zieht in Tabelle davon

  • Hannes Kartnig nach Sturm-Schlappe depremiert
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Nach deutlichen Niederlagen wie dem 0:4 am Sonntag im Horr-Stadion gegen die Wiener Austria hätte der wortgewaltige Hannes Kartnig wohl gepoltert, dass die Fetzen fliegen. Doch angesichts der Dominanz des Gegners, die nach der 16. Runde der T-Mobile Fußball-Bundesliga den ersten Verfolger SV Pasching schon um neun Punkte abgeschüttelt hat, kam auch vom Sturm-Präsidenten uneingeschränktes Lob. "National wird die Austria alles in Grund und Boden spielen. Die Liga wird zu einem Solo in Violett".

"Souverän, klar besser, Austria spielte super, Kompliment". Der Steirer fand nur Superlative für den Spitzenreiter, der sich wieder in Liga-Form präsentierte. Spannend könne es nur werden, würden die Austrianer im Kopf leichtsinnig, glaubt Kartnig, der das Ziel für die Grazer klar absteckte: "Ich will nur Zweiter werden". Derzeit nehmen die Schwarzweißen mit zwölf Zählern hinter den Veilchen den dritten Tabellenrang ein. "Wenn du so weit vorne bist, spielst du einfach viel lockerer. Vor einige Jahren waren wir vorne, wir kennen das", meinte Roman Mählich.

Foda verärgert
"Wir haben uns in Wien mehr erhofft, damit spekuliert, der Austria näher zu rücken. Deshalb haben wir auch mehr Risiko genommen", sagt der Mittelfeldantreiber, der zwei Hauptgründe für das Debakel, das auch leicht 2:6 oder 1:5 hätte lauten können, nannte: Zu viele Fehler im Spielaufbau und die wenige Torchancen nicht genützt. Franco Foda war deshalb zur Pause in der Kabine sehr laut geworden. "Der Eine und Andere hat nicht das gemacht, was ich wollte", ärgerte sich der Sturm-Trainer.

Es habe im Kollektiv von vorne bis hinten nicht gestimmt. Der Deutsche sprach nach der "verdienten Niederlage" daher am Montag im Training mit einigen seiner Schützlinge Tacheles. Foda: "Hätten wir so wie Donnerstag gegen Lewski gespielt, hätten wir heute vielleicht gewonnen. Doch heute war Austria eine kompakte Einheit mit Willen". Christoph Daum hingegen war mit der Reaktion seiner Mannschaft auf den UEFA-Cup hochzufrieden. Er ortete die "Jetzt-erst-recht-Mentalität, die einen Profi auszeichnet".

Daum ortet "psychologisches Phänomen"
Der Schachner-Nachfolger hatte nie Bedenken, dass die Austria nicht gewinnen würde. "Diese Leistung war die richtige Antwort auf das Donnerstag-Spiel. Heute haben wir aus der Position der Stärke agiert und nicht wie gegen Porto nur reagiert und das oft viel zu spät". Die unterschiedlichen Leistungen zwischen Europacup und Meisterschaft ortet Daum als "psychologisches Phänomen".

International würden einige Spieler noch mit einer Bremse und halbem Selbstvertrauen auftreten. "National treten sie mit breiter Brust auf, sind sie sich ihrer eigenen Stärken bewusst, doch international wissen einige nicht, welche Möglichkeiten sie besitzen", analysierte der Deutsche, der sich diesbezüglich an seine Türkei-Zeit erinnert fühlt. "Anfänglich waren die Spieler dort ängstlich, eine hohe Niederlage zu kassieren. Sie waren bemüht, das Resultat in Grenzen zu halten und kein Tor zu bekommen".

Am Mittwoch in Bregenz und am Samstag daheim gegen Schlusslicht schickt Daum seine Truppe mit dem Auftrag auf den Rasen, sich Sicherheit zu verschaffen. "Das würde für das Rückspiel am 14. November gegen den FC Porto Kräfte freisetzen", so der Austria-Trainer, der die dritte UEFA-Cup-Runde noch nicht abgeschrieben hat.

4.11.2002 12:52