Freitag, 8. November 2002

Demonstranten fordern Entschuldigung von Berlusconi

  • "Wir sind kriminalisiert worden" - 500.000 Teilnehmer
  • DIE BILDER: Tod und Chaos beim "Krieg" in Genua (Kasten)

Nach dem erfolgreichen Friedensmarsch in Florenz, an dem rund eine halbe Million Personen teilgenommen haben, fordern die Globalisierungsgegner Entschuldigungen von der Regierung Berlusconi. "Wir sind kriminalisiert worden. Regierungschef Berlusconi hat uns als Terroristen angeprangert, dabei hätte die Massendemonstration in Florenz nicht friedlicher verlaufen können", betonte der Sprecher der italienischen Globalisierungsgegner, Vittorio Agnoletto.

Die Massenbeteiligung an der Kundgebung ist vor allem ein Erfolg des Florentiner Bürgermeisters, dem Politiker der oppositionellen Linksdemokraten, Leonardo Dominici. Er hatte einen hartnäckigen Widerstand gegen die Forderung der Regierung nach einer Verlegung des Europäischen Sozialforums auf eine andere Stadt geleistet. Dominici war deswegen von Berlusconi scharf attackiert worden. "Florenz ist eine gewagte Wahl für das Europäische Sozialforum, es wird bestimmt zu Verwüstungen kommen", hatte der Ministerpräsident noch vergangene Woche betont. "Wir haben Berlusconi bewiesen, dass ich Recht hatte und dass Florenz für ein solches multikulturelles Treffen durchaus geeignet ist", frohlockte der Bürgermeister.

Auch viele Bewohner von Florenz, die die Demonstration erst mit Skepsis, danach mit zunehmendem Interesse und sogar mit Enthusiasmus beobachteten, beschuldigten die Regierung, zu großen Alarm um das Europäische Sozialforum geschlagen zu haben. Sogar die Kaufleute, die aus Angst vor Ausschreitungen während der Demonstration mehrheitlich ihre Geschäfte gesperrt hielten, mussten zugeben, dass ihre Sorge vor dem pazifistischen Demonstrantenstrom unbegründet war. "Wir müssen einsehen, dass es in Florenz zu keinem zweiten Genua gekommen ist", betonten sie.

Regierungschef Berlusconi zeigte sich wegen des friedlichen Verlaufs der Demonstration erleichtert. "Auch unter schwierigen Bedingungen hat die Regierung das freie Demonstrationsrecht garantiert. Die Teilnehmer am Europäischen Sozialforum haben positiv reagiert, indem sie auf friedliche Weise an der Kundgebung teilgenommen haben", betonte Berlusconi. Er dankte der Polizei, die auf diskrete und effiziente Weise für die Sicherheit des Treffens gesorgt habe.

Friedliche Demo ohne Zwischenfälle
Rund 5.000 Polizisten sorgten für den friedlichen Verlauf des Gipfels. "Die massive Beteiligung vieler Florentiner Bürger ist eine deutliche Reaktion auf die Regierung, die Wochen lang vor Krawallen gewarnt hatte. Die heutige Demonstration ist ein Fest für Italien und für Europa. Das pazifistische Europa ist gegen den Krieg und hat auch den Mut, es zu zeigen", sagte der Sprecher der italienischen Globalisierungsgegner, Vittorio Agnoletto.

8.11.2002 22:23