Mittwoch, 6. November 2002

Drei-Schluchten-Damm: Jangtse erstmals voll gestaut

  • Umleitungs-Kanal mit Felsbrocken gesperrt
  • Schifffahrt kann erst wieder im Juni 2003 aufgenommen werden

Der Jangtse-Strom in Zentralchina ist am Mittwoch erstmals komplett gestaut worden. Ein Kanal, der das Wasser und die Schifffahrt für den Bau des Drei-Schluchten-Dammes vorübergehend umgeleitet hatte, wurde mit großen Mengen Felsbrocken endgültig gesperrt, berichteten die chinesischen Medien.

Das Wasser fließt jetzt nur noch durch 22 Öffnungen im unteren Teil der Staumauer des größten Wasserkraftwerkes der Welt nahe Yichang (Provinz Hubei).

Die Schifffahrt wird voraussichtlich erst im Juni wieder aufgenommen, wenn eine gigantische Schiffsschleuse in Betrieb geht. Die letzten 15 Meter Damm in dem einst 350 Meter breiten und 3,5 Kilometer langen Kanal wurden im Beisein von Parlamentschef Li Peng geschlossen, der das umstrittene Dammprojekt seit seiner Zeit als Ministerpräsident vorangetrieben hat. Er sprach von einer "großen Errungenschaft in der Geschichte des Ingenieurwesens der Welt".

Dass der Damm zwei Tage vor Beginn des 16. Parteikongresses der Kommunistischen Partei in Peking geschlossen wurde, unterstreicht seine politische Bedeutung. Die Schließung erfolgte zehn Tage früher als geplant. Günstige Wetterbedingungen und der Rückgang der Wassermenge im Jangtse seit Anfang Oktober seien der Hauptgrund gewesen, das Vorhaben vorzuziehen, erläuterten Experten.

In den nächsten acht Monaten wird der letzte, 665 Meter lange Teil des Dammes fertig gestellt. Die ersten vier Generatoren sollen im nächsten Jahr bereits Strom erzeugen. Das Projekt ist vor allem wegen der Umsiedlung von 1,2 Millionen Menschen umstritten, deren Städte, Siedlungen, Fabriken und Felder überschwemmt werden. 60 Prozent sind bereits an anderen Orten angesiedelt worden. Auch das gigantische Ausmaß des Vorhabens und die Auswirkungen auf die Umwelt werden kritisiert.

6.11.2002 09:14