4. TV-Duell: Gusi vs. Van der Bellen - kein klarer Sieger
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Häupl: "Rot-Grün hat Charme"
Keinen eindeutigen Sieger - sondern eher ein Remis. Maximal leichte Vorteile für Rot. So bewerteten Meinungsforscher das Duell Gusenbauer vs. Van der Bellen. Die alles beherrschende Frage war: Kommt es zu Rot-Grün? Und so diskutierten SP- und Grünen-Chef extrem freundschaftlich. Gab es doch eindeutig mehr Übereinstimmungen als Unterschiede. Obwohl Gusenbauer die Chance für eine Zusammenarbeit mit 50:50 bewertete. Unterschiedlich reagierten die wahlwerbenden Parteien (siehe Kasten rechts) auf das TV-Duell.
+ Fritz Karmasin (Gallup) sprach von einem "netten Gespräch" und einem "eher unentschiedenen Duell".
+ Werner Beutelmeyer (market) sah eine "Liebeserklärung beider".
+ Peter Ulram (Fessl) kritisierte ein "fades Match" mit einem "Nichtangriffspakt" der Kontrahenten. "Es gibt keinen Sieger, weil es eigentlich kein Match gab".
+ Wolfgang Bachmayer (OGM) und Imma Palme (IFES) sowie Günther Ogris (SORA) sahen leichte Vorteile für Gusenbauer.
Karmasin sprach von einer "sehr vorsichtigen Veranstaltung, weil beide Partner versuchten, sich die Chancen einer möglichen Kooperation nach der Wahl nicht zu verbauen". Gusenbauer sei in Punkte Kompetenz und Klarheit besser gewesen, während Van der Bellen bessere Sympathiewerte aufweisen könne. Insgesamt waren die Aussagen beider aber zu unpräzise und zu schwach.
Beutelmeyer sagte, die Diskussion sei "ausgewogen" gewesen. Überraschend sei gewesen, dass Gusenbauer "ein bißl mehr zur Person gefunden hat und mehr Mensch war" als beim Duell mit FPÖ-Obmann Herbert Haupt. "Er war diesmal wärmer, herzlicher". Van der Bellen habe sich in der Koalitionsfrage festgelegt, er wolle mitregieren, Gusenbauer habe taktisch schlau agiert. "Jedenfalls haben beide klar gemacht, dass sie sich verstehen, dass sie sehr synchron denken".
Ulram kritisierte ein "freundliches aneinander vorbeireden". "Gusenbauer wirkte irgendwie ruhiger, Van der Bellen freundlich dozierend". Es sei aber "fad gewesen, kein Match, ein Nichtangriffspakt. So ähnlich wie zwei Mannschaften, die aufs Fußballfeld laufen, sich freundlich anschauen, auf den Rasen setzen und dann über Fußball diskutieren. Es gab keinen Sieger, weil es kein Match gab". Er selbst sei "in tiefer Ratlosigkeit" zurück geblieben. "Es gibt ja wohl Konflikte zwischen den beiden, etwa beim Straßenbau", diese seien aber ausgespart worden.
Palme sprach von einer "gepflegten Debatte zwischen zwei Politikern", die "bewusst nicht attackierend aufeinander wild losgeschlagen haben". Es sei ein Versuch gewesen, zu zeigen, dass man inhaltlich miteinander reden könne, ohne sich in die Haare geraten zu müssen. Dass einer im Revier des anderen gewildert habe, glaube sie nicht, "in erster Linie ging es um die Unentschlossenen".
Bachmayer ortete ein "gegenseitiges Schulterklopfen" von Gusenbauer und Van der Bellen. Trotz der Zurückhaltung Gusenbauers in der Koalitionsdiskussion sei "einfach durch die Stimmung" die rot-grüne Möglichkeit gestärkt worden. Van der Bellen habe aber ebenso wie beim TV-Duell mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) den Fehler gemacht, "einfach zu wenig am Punkt" zu gehen. "Er agiert zu professoral, zu kollegial, wirkt manchmal zerstreut, verliert sich in Schachtelsätzen". Jedenfalls sei das ganze ein "Schlafwagenfußball" gewesen. Dabei würde man eigentlich keine Punkte vergeben, "insgesamt gibt es einen leichten Punktesieg für Gusenbauer". Allerdings habe Van der Bellen "bei aller Kritik am heftigen Liebeswerben" doch möglicherweise eine durchdachte Strategie angebracht ("So ein Tschapperl ist der Herr Professor nicht"), nämlich, wer rot-grün will, müsse grün wählen. "Van der Bellen hat sich als Garant einer rot-grünen Koalition positioniert". Dies sei deswegen von Bedeutung, weil sich das "Gleichgewicht des Schreckens" von schwarz-blau zuletzt klar in Richtung rot-grün verschoben habe.
Ogris vertrat die Ansicht, die Debatte Gusenbauer-Van der Bellen habe sich sehr stark von der "zu 80 Prozent Negativ-Campaign - auf österreichisch würde man sagen, der Wadlbeißerei zwischen Schüssel und Haupt - unterschieden". Es habe sich um ein "konstruktives Gespräch" möglicher Koalitionspartner gehandelt. Für die Mehrheit der Zuseher könnte es ein "angenehmes Erlebnis" gewesen sein, eher die Minderheit habe lieber "Kampfhähne" am Bildschirm. Generell ortete auch Ogris einen leichten 3:2 Punktesieg für Gusenbauer, wobei der Vorsprung auf die Entschlussfreudigkeit und Führungsqualität des SPÖ-Chefs zurückzuführen sei.
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