935.000 Zuseher bei TV-Duell Schüssel vs Haupt
- Meinungsforscher sahen klare Vorteile für den Bundekanzler
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Konfrontationen zur NR-Wahl
Es war ein spannendes Duell mit einer handfesten Überraschung: 935.000 Zuseher waren vor den TV-Geräten dabei, als VP-Frontmann Wolfgang Schüssel seinem freiheitlichen Gegenüber Herbert Haupt mit dem Ende der schwarz-blauen Zusammenarbeit drohte. Der Kanzler stellte klar, dass eine Weiterführung der Koalition ohne Bekenntnis zur EU-Osterweiterung nicht möglich sei. Schüssel brachte diese Klarheit Punkte, laut den Meinungsforschern von Fessel gewann der Kanzler mit 71:20.
Das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und FP-Obmann Herbert Haupt lockte durchschnittlich 935.000 Zuseher vor den Bildschirm. Dies entspricht laut ORF einer Reichweite von 13,8 Prozent und einem nationalen Marktanteil von 59 Prozent. Der Spitzenwert lag bei 991.000 Zusehern. Damit war das Interesse etwas geringer als am vergangenen Donnerstag bei der Konfrontation zwischen Haupt und SP-Chef Alfred Gusenbauer. Damals verfolgten durchschnittlich 970.000 Zuschauer (14,4 Prozent Reichweite) die Diskussion.
Das erste Duell zwischen Schüssel und dem Grünen Bundessprecher Alexander Van der Bellen bleibt vorerst Schlusslicht im Publikumsinteresse. Durchschnittlich verfolgten 699.000 Zuschauer diese Sendung auf ORF 2. Das entspricht einer Reichweite von 10,3 Prozent.
Schüssel droht mit Ende von Schwarz-Blau
Mit einem Paukenschlag endete das dritte TV-Duell zwischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und dem interimistischen FPÖ-Obmann Herbert Haupt Dienstag abend. Die mögliche Neuauflage einer schwarz-blauen Koalition schien endgültig vom Tisch zu sein. Beim Thema EU-Erweiterung hatte zunächst Haupt erklärte, dass es nach derzeitigem Stand ein Nein der FPÖ gebe. Daraufhin reagierte Schüssel mit den Worten: "Damit das klar ist, Sie nehmen sich aus dem Spiel".
Es sei "völlig unzumutbar, dass ein österreichischer Regierungsvertreter im Dezember nach Kopenhagen fährt, ohne zu wissen, dass wirklich das österreichische Parlament, die Regierungskollegen dahinter stehen. Sie riskieren mit dieser völlig falschen Vetodrohung die Sache". Es wäre auch ein "Bruch des gemeinsamen Regierungsprogramms" mit der FPÖ. Der ÖVP-Chef: "Dort steht nichts drin von Benes-Dekreten".
Haupt schwächte ab
Haupt zog in der Folge etwas zurück und meinte, "wenn wir das Regierungsprogramm fortsetzen wollen, haben wir dringenden Handlungsbedarf mit den Tschechen. Es wäre jetzt Zeit, gemeinsam die offene Tür zur Erledigung der Menschenrechtsfragen aufzumachen. Wenn wir es gemeinsam wagen, diesen Verhandlungstisch auch gemeinsam aufzusuchen und ein positives Ergebnis zu bringen, werden Sie mir recht geben, ist das kein Nein zur EU, sondern was auch die ÖVP in den Landtagen den Menschen versprochen hat.". Schüssel replizierte: "Das hat eine Spur besser geklungen wie das vorherige schroffe Nein".
Schüssel gewinnt Duell klar
Schüssel hat nach einer Umfrage des VP-nahen Fessel-Instituts das TV-Duell gegen Haupt klar mit 71 gegen 20 Prozent gewonnen. Auf die Frage, wer von den vier Parlamentsparteien derzeit die sympathischste ist, schnitt demnach die ÖVP mit 42 Prozent am besten ab. An zweiter Stelle folgt die SPÖ mit 24 Prozent, dann die Grünen mit 13 und am Ende die FPÖ mit neun Prozent.
Auch andere Meinungsforscher sehen unisono Schüssel als Sieger. Fritz Karmasin vom Gallup-Institut meinte, Schüssel habe "sicherlich besser abgeschnitten als Haupt" und habe auch die "kritische Situation um die EU-Frage besser gemeistert". Wolfgang Bachmayer von OGM sagte, Schüssel habe "sehr deutlich gemacht, wer der Chef im Ring ist". Allerdings habe es insgesamt "fast eher den Versuch von beiden gegeben, einander nicht weh zu tun". Werner Beutelmeyer vom market-Institut erklärte, Haupt sei unverbindlich geblieben. In der "heiklen EU-Thematik" hätten sich aber "beide die Tür offen gelassen". Imma Palme vom SP-nahen IFES-Institut sah "Vorteile" für den Kanzler, der "in bekannter Weise eloquent" gewesen sei, während Haupt "sehr verbissen" gewirkt habe.
Haider allgegenwärtig
Zu Beginn der Diskussion kam immer wieder der Kärntner Landeshauptmann ins Spiel. Schüssel wies Haiders Äußerungen, wonach der Kanzler mutwillig Neuwahlen herbeigeführt habe, entschieden zurück. Vielmehr seien die Vorgänge beim freiheitlichen Parteitag in Knittelfeld für das Ende der Koalition verantwortlich, so Schüssel. Haupt betonte mehrfach, dass eine Weiterführung der Koalition auch nach Knittelfeld möglich gewesen wäre.
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