Operation Schönheit

Der Beauty-Report: 40.000 Österreicher – von der Hausfrau bis zum Minister – unterziehen sich jährlich einer kosmetischen Operation. Millionen-Business. Mit der Schönheit per Skalpell werden Millionengewinne erzielt. NEWS dokumentiert den Wahn zur Perfektion.
Sabrina Hehle ist eine Naturschönheit. Und neuerdings auch ein Meisterwerk der feinen Klinge. Anfang Oktober ließ sich die 17-Jährige aus Rankweil im Hüftbereich ihre minimalen Fettpölsterchen absaugen. Und das, obwohl sie vor dem Eingriff mit ihren Traummaßen 85-61-90 zur „Miss Vorarlberg“ und zur österreichischen „Miss Elegance“ gekürt wurde. Der Grund: ein anatomisches Detailproblem, das sie von ihrer Mutter geerbt hat. Sabrina: „Schon Mama hat darunter gelitten, dass die Proportionen um ihre Leibesmitte nicht ganz gepasst haben.“
Die Miss unterm Messer
Nicht mehr als ein halbes Kilo Fett holte ihr der renommierte Dornbirner Schönheitschirurg Manfred Rützler aus den Hüften. Nun fühlt sich Sabrina nicht mehr „99-prozentig, sondern 100-prozentig schön“. Und träumt mit ihrer formvollendeten Frontansicht von einer Modelkarriere auf den Laufstegen zwischen Paris und New York.
Am selben Tag wie die Schönheitskönigin legte sich auch Ulrike Rasinger, 37, auf den Operationstisch von Rützlers glamourösem Ästhetiksalon, in dem bereits ORF-Moderatoren, Show-Stars und namhafte Politiker – darunter eine Ministerin – ihrer Optik zu neuem Glanz verhalfen. Die Mutter eines achtjährigen Buben leistete sich für 5.500 Euro einen neuen Busen und schaffte – dank zweier 270-Gramm-Silikonpolster – den Sprung von Körbchengröße A auf C. Seither ist sie mit der Natur wieder versöhnt: „Ich war immer flach wie ein Bügelbrett. Jetzt kann ich endlich enge, taillierte Oberteile tragen. Einfach geil.“
Schönheit am Fließband
Längst ist die operative Verschönerung auch hierzulande salonfähig geworden: Mehr als 40.000 Österreicher lassen sich jährlich ins Fleisch schneiden, um Liliput-Brüste in eine schnittige Kurvenlage à la Pamela Anderson zu bringen, um Knollennasen zu begradigen oder Fettpolster an Po, Bauch und Schenkeln zu eliminieren. Die Zahl der kosmetischen Eingriffe hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Tendenz steigend. Frei nach dem Motto: Für immer jung, faltenfrei und straff.
Die Erwartungen der Schönheitsidealisten sind groß: mehr Glück, mehr Ansehen, mehr Geld, mehr Sex. Wie eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes „market“ ergab, kann sich mittlerweile fast jede dritte Frau (30 Prozent) und immerhin jeder zehnte Mann vorstellen, dem Aussehen künstlich nachzuhelfen. Die Folge: Die Jungbrunnen-GmbHs setzen Milliarden um. So kostet ein großes Gesichtsservice mit allen Lift-Facetten bis zu 10.000 Euro, eine Brustvergrößerung im Höchstfall 7.300 Euro und eine Fettabsaugung an Bauch, Hüfte und Po immerhin bis zu 5.100 Euro.
Dass die Beauty-Branche derart boomt, liegt zum einen an den neuen Operationstechniken und High-Tech-Materialien, die im Kampf gegen den körperlichen Verfall zum Einsatz kommen. Stichwort Facelift: Vor ein paar Jahren noch wurde das Gesicht durch die damalige Methode der Faltenkorrektur nicht selten zur verzerrten Grimasse auf ewig entstellt. Anders als früher ziehen die Ärzte heute nicht einfach die Gesichtshaut zurück und vernähen diese danach, sondern arbeiten auch die darunter liegenden Bindegewebsschichten und die Muskulatur um. Mit neu entwickelten Superlaser-Geräten wird nicht mehr die verwitterte Gesichtshaut weggeschmolzen, sondern das tiefer gelegene unverbrauchte Gewebe zum Wachsen angeregt.
Promis am Jungbrunnen
Die Hemmschwelle vor der „Operation Schönheit“ ist auch deshalb so stark zurückgegangen, da sich immer mehr Prominente dazu bekennen, ihr Körperkapital mithilfe der modernen Medizin aufzubessern. Die US-Sängerin Cher, Stammgast in Beauty-Kliniken, ist nach 27 chirurgischen Interventionen quasi rundum erneuert und gilt inzwischen als Sil-Ikone der alterslosen Gesellschaft: „Ich will, dass man mir noch mit 60 nachpfeift.“
Die heimische Antwort auf das „Golden Lift-Girl“ dürfte wohl Martha Butbul alias Jazz Gitti sein: Die von 165 auf 85 Kilo halbierte Sängerin ließ sich nicht nur Fett an den Knien absaugen, sondern auch Haut an Armen und Schenkeln entfernen. Das Re-Design wurde mit einem Facelift vorläufig abgeschlossen. Kosten: mehr als 20.000 Euro.
Autoren: Wolfgang Ainetter, Trude Schreibershofen
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