Dienstag, 29. Oktober 2002

VP-Kehrtwende zu Schwarz-Rot

  • PLUS: Umfrage, Diskussion, Meinung posten und Wahlmaschine

Sein letzter Poker: Aus für Schwarz-Blau? Wie VP-Chef Schüssel nach Zerbröseln der FPÖ mithilfe der SPÖ Kanzler bleiben will.

Landeshauptmann Sepp Pühringer sprach es trocken aus, und alle – auch der Kanzler – applaudierten: „Rechts von der Mitte steht die FPÖ – eine unsichere Bank!“ Was noch vor ein paar Wochen undenkbar schien, war beim Wahlkampfauftakt der ÖVP letzten Sonntag zum Greifen: Die Kanzlerpartei ist von der bisher so gepriesenen alleinigen schwarz-blauen Partnerschaft abgerückt. Der Zustand der FPÖ hat die schwarzen Granden aufgerüttelt, Wolfgang Schüssel geht jetzt offenbar allein aufs Ganze:

  • Bei der Nationalratswahl Alfred Gusenbauers SPÖ knapp, womöglich nur mit ein paar hundert Stimmen schlagen,
  • den Regierungsauftrag erhalten und dann der SPÖ – die im Fall einer Niederlage vielleicht nicht mehr von Gusenbauer geführt werden wird – ein Angebot machen, um
  • so als stärkste Partei in einer großen Koalition mit der SPÖ Bundeskanzler zu bleiben.
  • Motto: Alles oder nichts!

    Der Kurswechsel
    Offiziell ist von einem Kurswechsel keine Rede. Sondern lediglich davon, dass man nach der Wahl „nach allen Seiten hin offen ist“. Was natürlich einem VP-Schwenk gleichkommt. Denn „Blau“ ist für die ÖVP – dazu gibt es auch einen Parteivorstandsbeschluss – nach zweieinhalb Jahren Zusammenarbeit nicht mehr die einzige Regierungsoption. Schüssels Wahlkampfchef Reinhard Lopatka: „Es ist richtig, die FPÖ ist nicht mehr unser einziger Ansprechpartner. Alle Optionen sind offen. Entscheidend wird sein, wer, wenn wir Erster werden, in Sachfragen mit uns in einer Koalitionsregierung am weitesten mitgehen kann.“ Tatsächlich aber ist es das FPÖ-Chaos, das die VP-Granden zu diesem Kurswechsel veranlasst hat. Aus guten Gründen:

  • Selbst bei einem fulminanten Wahlsieg Schüssels scheint eine gemeinsame Mehrheit mit der taumelnden FPÖ gegen Rot-Grün kaum mehr machbar.
  • Dazu kommen die anhaltend scharfen Wahlkampftöne der FPÖ gegen die EU und deren Erweiterung. Und jetzt auch noch Haiders Brutalattacke im NEWS-Talk gegen Schüssel persönlich.
  • Zudem ist der Kanzlerpartei auch das Zusammenspiel Mathias Reichholds mit Thomas Prinzhorn zuletzt nicht mehr geheuer gewesen. Vor allem Wirtschaft und Industrie fragten sich zuletzt immer öfter, wer eigentlich in der FPÖ das Sagen habe.

    Autor: Hubert Wachter

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    29.10.2002 13:04