Freitag, 1. November 2002

Japan: Anspruchsvollster Markt der Welt

  • Studien betonen Bedeutung Japans
  • Entwicklungspotenzial von Regierungs-Reformen abhängig

Japan bleibt nach neuen Untersuchungen ungeachtet der gegenwärtigen Probleme von entscheidender Bedeutung für die Weltwirtschaft und die politische Zukunft Asiens. Japan angesichts des aufstrebenden China als eine zweitrangige Macht mit angeblich nur noch geringer Bedeutung für die Zukunft Asiens und der USA aufzufassen, sei "gefährlich falsch". Davor warnt eine in Tokio vorgestellte amerikanisch-japanische Studie des Pacific Council on International Policy, einem Forum von Vertretern aus Wirtschaft und anderen Bereichen Westamerikas und der pazifischen Region.

Die verbreitete Ansicht, Japan sei ein Land im unerbittlichem Niedergang, sei irreführend. Japan ist auch nach über zehn Jahren Krise weiter die zweitgrößte Wirtschaftsnation nach den USA und eines der reichsten Länder der Welt, wie auch eine neue Studie von Roland Berger Strategy Consultants fest hält. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass China zwar bis 2010 mit einem Viertel des ostasiatischen Bruttoinlandsprodukts stark aufholen und sich als zweite führende Wirtschaftsnation etablieren könne. Japan werde jedoch auch dann noch fast die Hälfte der ostasiatischen Wirtschaftskraft repräsentieren.

Für Europa: Schlüsselland
Japan sei für europäische Unternehmen ein "Schlüsselland", wo sie erfolgreich und profitabel wirtschaften könnten. Japan werde allerdings immer ein sehr anspruchsvoller Markt bleiben und stelle in vielerlei Hinsicht "die Spitzenliga für weltweit tätige Unternehmen dar", so die Studie von Roland Berger.

Can Japan come back?
Zwar weist die Studie des Pacific Council mit dem Titel "Can Japan come back?" auch darauf hin, dass es fraglos die reale Möglichkeit einer fortgesetzten Stagnation gebe. Andererseits dürfe nicht übersehen werden, dass wichtige Kräfte für Veränderungen in der japanischen Gesellschaft wirkten.

Unternehmerische Klein- und Mittelbetriebe versprächen die von wankenden Großunternehmen belastete Wirtschaft zu revitalisieren, während zunehmende ausländische Investitionen in Japan die Art des Wirtschaftens veränderten. Zudem könnte Japan angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung gezwungen werden, sich der Frage des beachtlichen Potenzials von Frauen und möglichen Zuwanderern zu widmen. Zudem gebe es eine neue Generation politischer Reformer.

Alle diese Kräfte könnten allerdings nur dann ihr Potenzial voll entwickeln, wenn die Regierung effektive Reformen umsetze. Hier sehen allerdings andere Analysten derzeit eher Grund zu Pessimismus. Mächtige Interessengruppen in Politik, Bürokratie und Wirtschaft versuchten weiter, den Status quo beizubehalten und dringend nötige Strukturreformen zu behindern. Werde das Potenzial jedoch genutzt, werde das Land neuen politischen und damit auch seinen wirtschaftlichen Halt wiedererlangen, heißt es in der Studie.

1.11.2002 13:07