Donnerstag, 31. Oktober 2002

Österreich hinkt bei Reallöhnen nach

  • Gewerkschaft: Löhne steigen langsamer Löhne als Produktivität

Das Gehalt der Österreicher steigt nur langsam: Seit dem Jahr 2000 steigen die Reallöhne in Österreich langsamer als im Schnitt der EU-Länder, das geht aus einer Berechnung des gewerkschaftsnahen deutschen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hervor. Die Reallöhne in Österreich stiegen 2000 um 0,6 Prozent, 2001 um 0,5 Prozent und werden heuer laut Prognose nur um 0,2 Prozent zulegen, so die Studie. Demnach erhalten Österreichs unselbstständig Beschäftigte heuer real den geringsten Einkommenszuwachs in der EU.

Sehr schlecht schneiden Arbeitnehmer in Österreich ab, wenn man ihre Lohnzuwächse mit den Produktivitätszuwächsen der Wirtschaft vergleicht. Denn seit 2000 steigen die Löhne in Österreich weniger als die Produktivität.

Deutlich steigende Reallöhne gab es in den Jahren 2000 bis 2002 vor allem in Irland, Griechenland und Großbritannien mit meist über drei Prozent. Im EU-Durchschnitt stiegen die Reallöhne alle diese Jahre um 1,1 bis 1,2 Prozent.

Während die nominellen Lohnanstiege in den 15 EU-Staaten weit auseinander liegen, ist der Abstand nach Berücksichtigung der Inflation, also bei den realen Löhnen nicht so groß. Der Zuwachs liegt in den meisten Mitgliedsstaaten zwischen 0,5 und 2,5 Prozent. Deutschland sei das einzige Land gewesen, wo es sowohl 2000 als auch 2001 einen Rückgang der Reallöhne gegeben habe.

Die Studie des WSI geht auch auf grundsätzliche Fragen im Zusammenhang mit Tarifverhandlungen in der EU ein. Sie kommt zu dem Schluss, dass vor allem das mit der Währungsunion geschaffene gemeinsame wirtschaftspolitische Regelungssystem dazu geführt habe, dass die nationalen Tarifpolitiken immer mehr von einander abhängen. Der Europäische Metallerbund habe zuletzt sogar die These aufgestellt, dass es "Unter den Bedingungen des Euro keine nationalen Tarifverhandlungen mehr gibt", zitiert das WSI.

Tarifabschlüsse, vor allem in großen Ländern, beeinflussen letztlich die Wirtschaftspolitik in der gesamten Eurozone. In den Verhandlungen der Sozialpartner sei davon aber "noch wenig zu spüren", heißt es in dem Bericht. Das WSI-Tarifarchiv wolle mit einem jährlichen Europäischen Tarifbericht genauere Informationen liefern.

31.10.2002 12:41