Deutsche Bank überrascht mit deutlichem Verlust
- Weiterer Personalabbau
Die Deutsche Bank hat am Donnerstag die Märkte mit einem deutlichen Verlust im dritten Quartal überrascht. Die größte deutsche Bank wies einen Vorsteuerverlust von 181 Mill. Euro nach einem Gewinn von noch 363 Mill. Euro im Vorjahr aus. Von vwd befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Quartalsgewinn vor Steuern von 102 Mill. Euro gerechnet. Grund für die roten Zahlen waren vor allem eine erheblich aufgestockte Risikovorsorge sowie ein deutlich rückläufiges Handelsergebnis.
Vorstandssprecher Josef Ackermann zeigte sich angesichts dieser Zahlen hinsichtlich einer Gesamtjahresprognose zurückhaltend.
Er sei zwei Monate vor Jahresende zuversichtlich, dass sein Haus den Aktionären ein zufrieden stellendes Ergebnis für das Gesamtjahr 2002 vorlegen könne, schrieb der Schweizer in einem Brief an die Anteilseigner. Das Ergebnis werde die Belastbarkeit des Geschäftsmodells der Deutschen Bank belegen. Konkreter wurde Ackermann jedoch nicht. Er sei überzeugt, dass sein Haus mit der Strategie, sich von nicht rentablen Geschäftsfeldern zu trennen, die gegenwärtigen Turbulenzen gut überstehen werde, fügte er hinzu.
Der Markt nahm die aktuellen Zahlen und die zurückhaltende Prognose zunächst negativ zur Kenntnis, die Aktie notierte am Vormittag zwischenzeitlich mit einem Abschlag von gut fünf Prozent bei 41,00 Euro, dann drehte das Papier in Plus und notierte 44,64 Euro um 2,83 höher.
Das Gesamtergebnis der Deutschen Bank im dritten Quartal sei etwas besser, das operative Ergebnis dagegen etwas schlechter als erwartet ausgefallen, betonten die Analysten der WestLB Panmure. Die Risikovorsorge jedoch habe über ihren Prognosen und deutlich über den Konsensschätzungen gelegen, heißt es weiter. Auch die Kosten seien höher als von ihnen erwartet ausgefallen. Dennoch beließen die Analysten die Einstufung der Bank auf "Outperform".
Auch die Bank verwies zur Erläuterung des Quartalsverlustes auf die aufgestockte Risikovorsorge: Die Risikovorsorge für bilanzielle und außerbilanzielle Kreditrisiken von 790 Mill. Euro im Quartal habe das Ergebnis beeinflusst, hieß es. In den Abschreibungen von 334 Mill. Euro ist nach Angaben der Bank auch eine Wertberichtigung auf den Anteil am Gerling-Konzern enthalten. Deutlich höher als von Analysten erwartet fiel indes der steuerfreie Erlös aus der Dekonsolidierung der Hypothekenbanktochter Euroohypo aus: Der Bank zufolge beläuft sich dieser auf rund 390 Mill. Euro, während Analysten nur mit rund 200 Mill. Euro gerechnet hatten.
Weitere 8.000 Jobs wackeln
Der unter anderem um diese Effekte bereinigte Gewinn vor Steuern im dritten Quartal beläuft sich auf 74 Mill. Euro. Auch diese Ziffer bezeichnete Ackermann jedoch als "eindeutig nicht zufrieden stellend". Obwohl er angesichts der Zahlen von "außerordentlich schwierigen Zeiten für den Bankensektor" sprach, sah Ackermann "große Fortschritte" bei dem Ziel, die Ertragskraft der Deutschen Bank langfristig zu steigern. Bei dem Kostenreduktionsziel von 2 Mrd. Euro jährlich bis Ende 2003 komme die Bank schneller als geplant voran. Durch die Konzentration auf das Kerngeschäft wird sich die Personalstärke voraussichtlich um weitere 8.000 Mitarbeiter und die Kostenbasis um 1,4 Mrd. Euro reduzieren.
Mit Blick auf das beschlossene Aktienrückkaufprogramm hieß es, per Ende September seien bereits 36 Prozent des genehmigten Volumens zurückgekauft worden. Verglichen mit dem Jahresende 2001 hätten sich die Risikoaktiva per Ende September um 12 Prozent und die ausstehenden Kredite um 28 Prozent ermäßigt. Die Deutsche Bank will ihre Kernkapitalquote weiterhin "im oberen Bereich zwischen acht und neun Prozent" halten.
Der unlängst neu strukturierte Konzernbereich "Private Clients and Asset Management" (PCAM) konnte sich von der Negativentwicklung im Investmentbanking absetzen und vorwiegend auf Grund der Entwicklung im Unterbereich Personal Banking ein Ergebnisplus ausweisen. Personal Banking steigerte das Ergebnis auf 156 Mill. Euro nach lediglich neun Mill. Euro im Vorjahresquartal.
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