Donnerstag, 31. Oktober 2002

Mazedonien: Anschlag auf Parlament verübt

  • Granate aus fahrendem Auto geworfen - keine Verletzten

Attentäter haben vor der Regierungsbildung in Mazedonien einen Anschlag auf das Parlamentsgebäude verübt. Der Sprengsatz habe Autos beschädigt, aber keine Menschen verletzt, teilte die Polizei in der Hauptstadt Skopje mit. Der designierte Ministerpräsident Branko Crvenkovski, der die bei den Parlamentswahlen siegreiche Sozialdemokratische Union (SDSM) führt, warb bei der Vorstellung seines Kabinetts im Parlament um Zustimmung.

Eine Handgranate sei aus einem fahrenden Auto heraus auf das Gebäude geschleudert worden, teilte die Polizei mit. Angaben zum Hintergrund der Tat machte die Polizei nicht. Granatensplitter trafen das Gebäude, durch die Wucht der Explosion wurden Fensterscheiben nahe geparkter Autos zerstört.

Nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl hatten sich die Sozialdemokraten und die Partei der albanischen Bevölkerungsminderheit, Demokratische Union für Integration (DUI), im Oktober auf die Bildung einer Regierung geeinigt. In Anlehnung an die Vergangenheit des DUI-Chefs Ali Ahmeti als Anführer albanischer Rebellen und das Parteilogo der Sozialdemokraten in Form einer roten Rose hat die Koalition in der Bevölkerung den Spitznamen "Guns and Roses" erhalten.

"Mazedonien hat eine Zukunft. Sie wird schwierig, extrem schwierig, aber wir werden gewinnen", sagte Crvenkovski vor den Abgeordneten. Er kündigte entschiedene Schritte gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und gegen Organisierte Kriminalität an. Der Politiker, der schon von 1992 bis 1998 Ministerpräsident war, will auch die wirtschaftlichen Reformen beschleunigen.

Von den 14 Ministerämtern soll Ahmetis Partei vier Ministerposten erhalten. Zehn Ministerposten gehen an das von den Sozialdemokraten geführte Parteienbündnis "Gemeinsam für Mazedonien", das bei den Wahlen 60 der 120 Parlamentssitze bekommen hatte. Die Albaner-Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK), die Ahmeti politisch geführt hatte, lieferten sich im vergangenen Jahr monatelang kriegsähnliche Kämpfe mit Regierungstruppen, bevor ein Friedensplan vereinbart wurde.

Unter internationaler Vermittlung wurde im vergangenen Jahr ein Bürgerkrieg zwischen mazedonischen Regierungstruppen und albanischen Rebellen verhindert. Insgesamt schützen rund 700 leicht bewaffnete NATO-Soldaten in Mazedonien seit etwa einem Jahr internationale Beobachter, die ein Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien überwachen.

Vor dem Parlamentsgebäude protestierten in Skopje slawisch-mazedonische Veteranen gegen die Beteiligung der Partei Ahmetis an der neuen Regierung. Die "Beteiligung der Terroristen ist eine Beleidigung aller Opfer des Konflikts vom letzten Jahr", erklärten Demonstranten.

31.10.2002 16:53