Mittwoch, 30. Oktober 2002

TV-Duell: Haupt gegen Gusenbauer

  • Beherrschende Themen Gesundheit und Pensionen
  • PLUS: Alle Infos zur Nationalratswahl 2002 (siehe Kasten)

Rund 970.000 Zuschauer verfolgten das ORF-TV-Duelle zwischen SPÖ-Chef Gusenbauer und Neo-FPÖ-Obmann Haupt. Zu Beginn der Konfrontation sorgt Haupt mit seiner Ankündigung - der Kärntner Landeshauptmann Haider wird nun doch auf der Bundesliste kandidieren - für einen Knalleffekt. Dann ging es Schlag auf Schlag um die Themen in der aktuellen Wahlauseinandersetzung: Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Pensionen, EU-Erweiterung und Abfangjäger. Die Meinungsforscher bewerten das Duell unterschiedlich (Story im Kasten rechts). In der NEWS-Networld-Umfrage wechseln sich Gusenbauer und Haupt in der Führung noch ab.

Das Duell Gusenbauer/Haupt verlief wesentlicher ruhiger und geordneter als zwei Tage zuvor jenes zwischen ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel und Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, in dem sich vor allem Schüssel durch permanente Zwischenrufe hervorgetan hatte. Klare Botschaften wurden formuliert - so stellte der SPÖ-Chef einmal mehr sein Wachstumsprogramm (Ankurbeln der Wirtschaft, Schaffen von Arbeitsplätzen) in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, legte ein Bekenntnis zu einer ausgeglichen Budgetpolitik ab, versprach die Abschaffung der Ambulanzgebühren, bekräftigte das rote Nein zu Abfangjägern und stellte sich hinter die Interessen der Pensionisten. Er warf Haupt dabei Versäumnisse vor, sprach ihn etwa als "Mister Ambulanzgebühr" an.

Haupt verteidigt Ambulanzgebühr
Haupt war bemüht, einerseits die Kritik zurückzuweisen, andererseits immer wieder Parallelen aufzuzeigen - so seien etwa die Vorstellungen der SPÖ in Sachen Arbeitsmarktpolitik gleichzusetzen mit den Forderungen der Knittelfelder FPÖ-ler, die kurz zuvor von SPÖ-Chef mit "Chaos" in Zusammenhang gebracht worden waren. Aber auch der Mindestlohn von 1.000 Euro sei eine FPÖ-Forderung. Und auch die Generation der Pensionisten dürfe nicht verlassen werden. In Sachen Ambulanzgebühren verteidigte Haupt einmal mehr deren Lenkungseffekt, betonte zudem, die Arbeitslosenzahlen seien in der EU die drittniedrigsten, bei der Jugend die zweitniedrigsten.

Dem hielt Gusenbauer entgegen, während in anderen Ländern die Arbeitslosigkeit aber sinke, sei sie in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen. Im heurigen Winter würden zwischen 300.000 und 320.000 Arbeitslose erwartet. Zu dieser Entwicklung gebe es einen "hausgemachten Beitrag". Zu sorgen wäre auch für Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt, diese sollten nicht als Sozialhilfe-Empfänger in Pension gehen müssen.

ÖVP ortet große Nervosität bei SPÖ und FPÖ
"Sowohl Alfred Gusenbauer als auch Herbert Haupt haben in der ORF-TV-Diskussion bei wesentlichen Fragen an der Realität vorgeredet", kritisierte ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat. Der SPÖ werde es nicht gelingen, davon abzulenken, dass sie für den Schuldenkurs der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich sei und die FPÖ werde es nicht schaffen, der ÖVP die Schuld für das vorzeitige Ende der Regierung zu geben", so Rauch-Kallat. Offensichtlich herrsche "große Nervosität bei Sozialdemokraten und Freiheitlichen, aus der man sich mittels Nebelgranaten stehlen will".

Für Öllinger dreht sich FPÖ-Karrussel weiter
Für die Grünen war die einzige Neuigkeit des TV-Duells, dass sich das "Ich bin schon weg - Ich bin wieder da-Karrussel" der Freiheitlichen an der Spitze weiter drehe. In Wahrheit habe Haupt klar gemacht, dass er nicht neuer FPÖ-Obmann sei, sondern "treuer Vasall und Platzhalter seines Kärntner Herrn" Jörg Haider, so der stellvertretende Grüne Klubobmann Karl Öllinger.

30.10.2002 15:51