Montag, 28. Oktober 2002

Reichhold, Klestil & Klima: Wahlkampf macht krank!

  • ´92: Präsident Klestil büßte Stimme ein ´96: Lungenentzündung
  • ´99: Lungenentzündung setzte Kanzler Klima außer Gefecht

Wahlkampf macht krank - körperlich & seelisch krank! Stress gibt es immer, körperliche Zusammenbrüche - medial unbemerkt - sicher auch. In den letzten Jahren fordert die ständige Medienpräsenz vor allem in Wahlkampf-Zeiten den Politikern zu viel ab: FPÖ-Chef Reichhold ist außer Gefecht - Herzmuskel-Entzündung! Deshalb trat er am Donnerstag nach 40 Tagen zurück. Präsident Klestil und die SPÖ-Politiker Vranitzky, Klima und Edlinger waren die bisher prominentesten Opfer.

Der FPÖ-Chef wurde mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung ins Spital gebracht. "Absolute Schonung und Ruhe" seien angezeigt. Primarius Dr. Georg Lexer sieht als Ursache eine verdrängte Angina mit Rückfall und anschließenden Herz-Rhythmusstörungen.

Der Wiener Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung am Kaiser-Franz-Josef-Spital, kann "keine Ferndiagnose stellen. Wenn die vorliegenden Angaben stimmen, handelt es sich aber um eine nicht ungefährliche Erkrankung", sagte er am Montag auf Anfrage der APA.

Für die FPÖ ist Reichholds Erkrankung doppelt schlimm: nach all Turbulenzen der letzten Wochen schlechte Umfragewerte, den Spitzenkandidaten nicht auf der Straße und ein Stellvertreter, wahrscheinlich Sozialminister Herbert Haupt, im Fernsehduell; einem Medien-Event, dem entscheidende Bedeutung für den Wahlausgang zukommt.

Am 6. April 1992 ist es nur eine kleine Meldung gewesen: Der Kandidat der ÖVP im Präsidentschaftswahlkampf, Thomas Klestil, hatte seine Stimme verloren. Tribut nach rund 270 Wahlkampfauftritten.

Gute vier Jahre später, im September 1996, zwang eine atypische Lungenentzündung den damals amtierenden Bundespräsidenten Klestil in Spitalsbehandlung. Seine Erkrankung war lebensbedrohend, die neuerliche Kandidatur für die Wahl 1998 erst im April 1997 gesichert.

Im Nationalratswahlkampf 1999 hatten sich sichtlich die Spitzenpolitiker der SPÖ verausgabt. Ende September musste Viktor Klima, damals Parteichef und Bundeskanzler, nachts wegen starker Schmerzen im Bereich der rechten Schulter ins Spital: Diagnose - leichte Lungenentzündung. Das Fernseh-Duell mit seinem ÖVP-Kontrahenten Wolfgang Schüssel wurde um einige Tage verschoben.

Zwei Tage später kam die nächste Hiobsbotschaft: Der damalige Finanzminister Rudolf Edlinger (S) erlitt einen Kreislaufkollaps und musste letztlich wegen einer leichten Lungenentzündung für fünf Tage ins Spital.

Im Wahlkampf 1995 musste sich der damalige SPÖ-Chef Bundeskanzler Franz Vranitzky geplagt von Grippe und Fieber dem TV-Duelle mit ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel stellen. Die schweren Pulver brachten den Kanzler zum Schwitzen. Er musste sich mehrmals mit dem Taschentuch den Schweiß von der Stirm wischen.

Unvergessen bleibt auch der katastrophale Fernsehauftritt von Alois Mock nach dessen Wahlniederlage 1986. Mit steinerner Miene trat der geschlagene ÖVP-Parteichef vor die TV-Kameras. Noch heute wird gerätselt, ob der öffentliche Zusammenbruch das erste Anzeichen von Parkinsonscher Krankheit war, die Mock jahrelang zu verbergen suchte.

Den ÖVP-Obmann Karl Schleinzer kostete im Wahlkampf des Jahres 1975 ein Sekundenschlaf im Auto sogar das Leben.

28.10.2002 15:28