Mittwoch, 30. Oktober 2002

Global 2000: Pestizide in Weintrauben "alarmierend"

  • Maximal 5 einzelne Trauben ohne Gefährdung verzehrbar
  • Gift aus bis zu 10 verschiedenen Pestiziden in einer Probe

Nach dem Skandal um Bio-Kartoffeln, die eigentlich keine waren, nun wieder Pestizid-Alarm: Global 2000 warnt vor einer "alarmierenden Verseuchung" von italienischen und türkischen Weintrauben. Die gemessenen Konzentrationen seien "alarmierend hoch", bis zu zehn unterschiedliche Pestizide wurden in einer einzigen Probe nachgewiesen.

"Die Belastung einer Probe von italienischen blauen Weintrauben ist so gravierend, dass ein Kind maximal 18 Gramm (fünf Beeren) dieser Trauben verzehren darf, ohne seine Gesundheit zu gefährden."

"Solche Belastungen sind aus medizinischer Sicht äußerst bedenklich, die Trauben enthalten starke Gifte in bedenklichen Konzentrationen", erklärte Klaus Kastenhofer, Mediziner und Lebensmittelexperte von GLOBAL 2000. "Dass so stark belastete Weintrauben in Österreich in den Handel gelangen, zeigt die schweren Versäumnisse bei der Lebensmittelsicherheit in Österreich auf." Selbst ein Erwachsener mit 70 Kilogramm Körpergewicht könne unbedenklich höchstens 90 Gramm dieser Trauben verzehren.

"Besonders die hohe Konzentration des von der WHO als extrem giftig eingestuften Parathion in einer italienischen Probe ist alarmierend. Parathion führt bereits in geringen Mengen zu einer Verlangsamung des Herzschlages, Atembeschwerden, Übelkeit und Durchfall", sagte Kastenhofer. In der mit Parathion belasteten italienischen Probe seien - wie auch in weiteren - zudem zwei Pestizide nachgewiesen worden, die in keinem einzigen EU-Land mehr zugelassen sind. "Es ist fahrlässig, dass der zuständige Bundesminister (Herbert, F, Anm.) Haupt trotz mehrerer Pestizidskandale in diesem Jahr bislang keine Maßnahmen getroffen hat, um die Konsumenten vor derart massiv belastetem Obst und Gemüse zu schützen", kritisierte Kastenhofer.

Durchschnittlich seien die Weintrauben mit acht unterschiedlichen Pestiziden belastet gewesen, betonte GLOBAL 2000. "Hier zeigt sich, wie brutal die Lücke der österreichischen Höchstwerte-Verordnung von skrupellosen Produzenten ausgenutzt wird. Da es nur Höchstwerte für einzelne Pestizide, nicht aber für die Summenbelastung gibt, werden diese Höchstwerte umgangen", sagte Kastenhofer.

30.10.2002 10:50