Dienstag, 29. Oktober 2002

"EDOK-Opfer" Mekis verteidigt EDOK-Fahnder

  • Ex-Staatsanwalt löcherte Kollegen des Angeklagten mit Fragen

Wolfgang Mekis, der die Verteidigung des unter dringendem Amtsmissbrauch-Verdacht stehenden Mafia-Jägers übernommen hat, fühlte sich Anfang Dezember in seiner neuen Rolle sichtlich wohl. Der frühere Staatsanwalt befragte fast genüsslich einen Kollegen seines Mandanten. Und förderte ein geradezu erschreckendes Sittenbild der mittlerweile aufgelösten Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (EDOK) zu Tage. Interne Grabenkämpfe standen dort offensichtlich auf der Tagesordnung.

Mekis, der seit seiner Pensionierung als Anklagevertreter nebenbei als Anwalt in der Kanzlei einer befreundeten Wiener Juristin beschäftigt ist, war einst in der Affäre Hummelbrunner bekanntlich selbst ins Visier der EDOK geraten. Er fühlt sich als "EDOK-Opfer", da ihm die Behauptung, er hätte sich am Versuch beteiligt, die schillernde Geschäftsfrau zu erpressen, in einem langwierigen Verfahren nicht nachgewiesen werden konnte.

Der einvernommene Zeuge gehörte zwar der EDOK an, wurde jedoch der bei der Kriminalabteilung Niederösterreich gegründeten "Soko Nord" zugeteilt, als diese unter anderem wegen Mordverdachts gegen den mutmaßlichen polnischen Mafia-Paten Jeremiasz B. zu ermitteln begann. Dieser wiederum war ein V-Mann der EDOK, und als seine Festnahme drohte, soll Oberstleutnant Josef B. versucht haben, ihn im Zeugenschutzprogramm des FBI unterzubringen und somit außer Landes zu schaffen.

Schelchte Arbeitsbedingungen beklagt
Der Beamte beklagte sich mehr als deutlich über das schlechte Arbeitsverhältnis, unter dem er gelitten habe. Er sprach wörtlich von "Mobbing": Josef B. habe ihm etwa unterstellt, bei der "Soko Nord" subjektiv zu ermitteln und dort einen "übermäßigen Eifer" an den Tag zu legen, "während ich meinen geschäftsordnungsmäßigen Aufgaben nicht nachkomme", zitierte der Fahnder einen Vorhalt seines Vorgesetzten.

Auf Geheiß von Josef B. musste er dann Protokolle über seinen Tagesablauf erstellen und sogar eine Aufstellung über seine Arbeitsbelastung anlegen: "Das war in arbeitsökonomischer Hinsicht sicher eine Erschwernis für mich. Es hat mich jeden Tag zwei Stunden gekostet." Diese Zustände hätten ihn beinahe dazu gebracht "auszusteigen", so der erfahrene Ermittler.

Richterin von Mekis-Verhör genervt
Die fast zweistündige Einvernahme des Polizisten, in deren Verlauf Josef B. zahllose Fragen aus dem Köcher zog, die großteils nur am Rand mit dem Verfahren zu tun hatten, strapazierte die Nerven von Richterin Eva-Maria Seidl. Als ein Zuhörer den Saal betrat und die Tür einfach hinter sich zufallen ließ, herrschte sie ihn an: "Die Tür hat eine Schnalle!" Der Zuhörer möge sich das merken, wenn er das nächste Mal Popcorn holen gehe.

Gericht muss sich durch 7 CDs hören
Auch erste Audio-Dateien - Josef B. hatte sich vor ihm wichtig erscheinenden Gesprächen in der Regel selbst "verkabelt" und die aufgezeichneten Unterhaltungen in seinem Haus gesammelt - führte sich der Schöffensenat heute zu Gemüte. Das Gericht wird sich bis zum 18. Dezember - da soll das Verfahren enden - durch insgesamt sieben Compact Discs hören müssen. Allerdings ist die Aufnahmequalität mehr als dürftig. Staatsanwältin Michaela Schnell räumte auf APA-Anfrage ein, kaum ein Wort verstanden zu haben. Es liegen jedoch auch detaillierte schriftliche Protokolle über den Inhalt der Tondokumente vor.

29.10.2002 13:38