Montag, 28. Oktober 2002

OECD: Österreichs Schüler am längsten in Klasse

  • Zwölf- bis 14-Jährige an der Spitze der Industriestaaten
  • Pädagogen unterrichten hingegen weniger als im OECD-Schnitt

Österreichs Schüler sitzen im Vergleich mit den anderen Industriestaaten nach wie vor am längsten in der Klasse. Dies zeigt die OECD-Studie "Education at a Glance 2002". Mit durchschnittlich 1.148 Stunden pro Jahr rangieren die Zwölf- bis 14-Jährigen an der Spitze der Industriestaaten. Sie werden nur noch von Simbabwe, Thailand, Mexiko (je 1.167), Indien (1.176), Malaysia (1.230), Indonesien (1.274) und den Philippinen (1.467) übertroffen.

Anders sieht es bei den Lehrern aus: sie unterrichten kürzer als ihre Kollegen in den Industriestaaten und sind damit fast nur halb so lang in der Klasse wie ihre Schüler.

In der Untersuchung wurden nur die reinen Unterrichtszeiten (auf jeweils 60 Minuten hochgerechnet) verglichen - die für Hausübungen, Nachhilfe- bzw. Förderstunden oder Lernen reservierte Zeit blieb unberücksichtigt. Auf verhältnismäßig wenig Unterrichtsstunden kommen die Schüler in Schweden (741), der Türkei (796), Finnland (808), Island (809), Norwegen (827), Portugal (842), Spanien (845), Tschechien (867), Südkorea (867), Japan (875), Dänemark (890) und Irland (891). Mit Österreich vergleichbare Werte erzielen der französische Teil Belgiens (1.075), die Niederlande (1.067), Griechenland (1.064), Frankreich (1.042) und Italien (1.020). Das OECD-Ländermittel liegt bei 936 Stunden.

Lehrer unterrichten hingegen weniger
Anders sieht es bei den Lehrern der Sekundarstufe I (Hauptschule und AHS-Unterstufe) in Österreich aus: Sie stehen nur 658 Stunden pro Jahr und damit weit kürzer als der OECD-Durchschnitt (720 Stunden) in der Klasse. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die Vorbereitung der Stunden sowie die Korrekturarbeiten.

Am längsten müssen die Lehrer des unteren Sekundarbereichs in Mexiko (1.182) und den USA (1.127) unterrichten. Ebenfalls lange in der Klasse stehen ihre Kollegen in Neuseeland (968), Schottland (893), den Niederlanden (867), der Schweiz (859) und Australien (811). In der Nähe Österreichs liegen Tschechien (650), Dänemark (640), Frankreich (639), Norwegen (633), Griechenland und Island (629). Weniger Unterricht geben die Pädagogen in Finnland (570), Südkorea (565), Spanien (564), Japan (557) und Ungarn (555).

Die Studie zeigt auch, dass die erreichte Leistung nicht unbedingt mit der Anzahl der in der Klasse verbrachten Stunden übereinstimmt: Bei der PISA-Studie zur Leseleistung am Ende der Schulpflicht erreichte Finnland trotz der geringen Pflicht-Unterrichtszeit sowohl von Schülern als auch von Lehrern Rang eins.

28.10.2002 11:26