Fiat-Belegschaft besetzt Werke auf Sizilien
- 15.000 demonstrierten vor Sitz der Autogruppe in Turin
Streiks und Demonstrationen haben am Freitag die Fiat-Produktionswerke von der Lombardei bis Sizilien lahm gelegt. Nachdem die Gewerkschaften den Umstrukturierungsplan der Turiner Autogruppe mit der Streichung von 8.100 Arbeitsplätzen abgelehnt haben, demonstrierten Tausende von Personen gegen die Sanierungsprojekte der größten privaten Unternehmensgruppe Italiens. Die 1.800 Arbeitnehmer der Fiat-Produktionswerke in Termini Imerese besetzten die Produktionsanlagen.
Hunderte belagerten die Ausfahrten der Fabrik, um den Abtransport der in Termini Imerese produzierten "Fiat Punto" zu verhindern.
In der sizilianischen Ortschaft in der Nähe von Palermo fand eine Demonstration statt, an der 30.000 Personen teilnahmen, darunter auch die Gewerkschaftschefs der drei größten Arbeitnehmerorganisationen Italiens. "Wenn die Fiat-Werke schließen, ist es für diesen Teil Siziliens das Ende", betonte ein aufgebrachter Demonstrant. "Wegen der massiven Streikaktionen ist unser Monatsgehalt bereits um die Hälfte gekürzt, doch wir kämpfen weiter. Wenn Fiat schließt, müssen wir alle aus Sizilien auswandern", erklärte eine junge Frau.
Demonstrationen fanden auch vor dem Fiat-Hauptquartier in Turin statt. "Schande, Schande!", riefen die Arbeitnehmer gegen den Hauptaktionär des Konzerns, Gianni Agnelli. Der Ehrenpräsident und seine Familie wurden beschuldigt, die Schulden abbauen zu wollen, um dem Partner General Motors im Jahr 2004 den Konzern zu einem besseren Preis verkaufen zu können. "Die Familie Agnelli hat jegliches Interesse an der Zukunft dieses Konzerns verloren. Was Fiat fehlt sind neue Modelle, Investitionen und Visionen, um Italiens größte Privatgruppe bleiben zu können", betonte der Chef des stärksten Gewerkschaftsverbands in Italien, Cgil, Guglielmo Epifani.
Die Demonstranten erhielten die Unterstützung der altkommunistischen Partei "Rifondazione". Wir sind bereit, mit den Arbeitnehmern die Fiat-Werke in ganz Italien zu besetzen", betonte ein Sprecher der Oppositionspartei. In Rom blockierten Fiat-Arbeitnehmer eine der Hauptachsen an der Peripherie der Stadt, was zu einem Verkehrschaos führte.
Nachdem der Fiat-Konzern erklärt hat, für die Autosparte in diesem Jahr einen Verlust von zwei Mrd. Euro zu erwarten, scheint die Regierung Berlusconi über die nächsten Schritte ratlos zu sein. "Der Sanierungsplan muss geändert werden. Die Regierung darf den massiven Stellenabbau nicht akzeptieren und muss weiterhin auf der Seite der Belegschaft stehen", sagte Europaminister Rocco Buttiglione. Die Regierung wird jedoch nicht blockieren, dass ab 1. Dezember ein Teil der Fiat-Belegschaft auf Kosten des Staates dienstfrei gestellt wird, wie es die Gewerkschaften gefordert hatten.
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