Dienstag, 22. Oktober 2002

Italienischer Staatsanwalt ermittelt gg. Bayer-Manager

  • Cholesterinsenker für Todesfälle verantwortlich gemacht
  • Lipobay-Belastung kann Versicherung übersteigen (rechts!)

In Italien gerät der deutsche Bayer-Konzern wegen der gefährlichen Nebenwirkungen des vor eineinhalb Jahren vom Markt genommenen Cholesterinsenkers Lipobay immer stärker unter Druck. Der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello, der 2001 eine Untersuchung gegen den Pharmakonzern eingeleitet hatte, bekundete, dass gegen das deutsche Unternehmen wegen "fahrlässiger Katastrophe" ermittelt werde.

Guariniello, der wegen seiner Anti-Doping-Ermittlungen international bekannt geworden ist, überprüft 222 Fälle, bei denen das Medikament gravierende Nebenwirkungen ausgelöst hat. Fünf hohe Manager des Konzerns in Leverkusen gerieten in den Sog der Ermittlungen. Laut dem Staatsanwalt hatte die italienische Filiale des Pharmakonzerns eine Art von "Lobby" von Ärzten und Fachjournalisten aufgebaut, die das Medikament stark förderten.

Die meisten Fälle wurden in der norditalienischen Region Piemont gemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt vor allem zum Tod einer 70-jährigen Frau, die Lipobay eingenommen hatte. Sie starb vor zehn Tagen in einem Krankenhaus in Rom. Ihre Enkelin reichte Klage ein. Auch im Todesfall einer älteren Frau in Bologna wird das Medikament verdächtigt.

Nachdem es vermehrt Berichte über mögliche Wechselwirkungen des Bayer-Präparats mit anderen Medikamenten gab, hatte Bayer nach eigenen Angaben "angemessene Maßnahmen" eingeleitet. Für außergerichtliche Einigungen im Zusammenhang mit dem Lipobay-Skandal hat der Bayer-Konzern bisher rund 125 Millionen Dollar aufgewendet.

22.10.2002 10:45