Dienstag, 22. Oktober 2002

Ölpreis gibt nach Bush-Signalen nach

  • Brent am Dienstag schon ab 26,30 Dollar zu haben

Nach Signalen von US-Präsident George W. Bush über eine friedliche Lösung des Streits mit dem Irak hat der Ölpreis am Dienstag weiter nachgegeben. Eine Entwarnung mochten Händler aber noch nicht geben. Ein militärisches Eingreifen der USA bleibe weiter möglich.

Der Preis für die führende Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im Dezember fiel am Dienstag in London um 0,29 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) auf 26,30 Dollar (26,9 Euro). Am Montag war der Preis um 1,25 Dollar auf 26,60 Dollar eingebrochen. Befürchtungen über die Folgen eines Krieges für die Ölversorgung hatten in den vergangenen Wochen den Ölpreis zeitweise fast auf 30 Dollar steigen lassen. Die Kriegsängste haben Experten zufolge seit Jahresbeginn für einen Aufschlag beim Ölpreis von rund 40 Prozent gesorgt.

"Händler sollten die derzeitige Kompromissbereitschaft der USA, auf diesem Niveau der Verhandlungen ein internationales Abkommen zum Irak zu erreichen, nicht so verstehen, dass sie ebenfalls einen Kompromiss eingehen, sollte Saddam seine Verpflichtungen gegenüber dem Sicherheitsrat nicht einhalten", sagte Lawrence Eagles von GNI Research. Aus diesem Grund sei es falsch, optimistisch zu werden.

Nach wochenlangen Verhandlungen hatten die USA am Montag einen Kompromiss angeboten, in dem auf eine ausdrückliche Ermächtigung zur Gewaltanwendung gegen Irak verzichtet werden soll. Bush hatte gesagt: "Ich glaube, die freie Welt kann diesen Mann (Saddam Hussein) friedlich entwaffnen. Aber wenn nicht, haben wir den Willen und den Wunsch, so wie andere Nationen, Saddam zu entwaffnen."

Damit strichen die USA eine Passage, die es jedem UNO-Mitglied erlaubt hätte, in eigener Verantwortung einen Verstoß Iraks gegen die Resolutionen festzustellen und dann militärisch gegen das Land vorzugehen. Von den ständigen Ratsmitgliedern mit Vetorecht hatten sich insbesondere Frankreich und Russland skeptisch zu dem ursprünglichen US-Entwurf geäußert.

Bush wirft Irak vor, nach Massenvernichtungswaffen zu streben und hat einen Machtwechsel zum Ziel seiner Regierung erklärt. Händler befürchten, ein Krieg gegen Irak könnte die Öl-Exporte aus dem gesamten Nahen Osten gefährden. Aus der Region stammt rund ein Drittel der weltweiten Ölfördermenge.

22.10.2002 08:54