Montag, 21. Oktober 2002

Private Pensionsvorsorge noch wenig bekannt

  • ÖAAB fordert Infokampagne über dritte Pensionssäule

Das von der Regierung in den letzten Parlamentstagen noch beschlossene private Pensionsvorsorgemodell "Zukunftsvorsorge" ist in der Bevölkerung noch wenig bekannt. Das zeigte eine Umfrage des VP-Arbeitnehmerflügels ÖAAB, die von Obmann Werner Fasslabend und Generalsekretär Walter Tancsits vorgestellt wurde.

Über 68 Prozent der Befragten wussten nicht, dass die "Zukunftsvorsorge" im September beschlossen wurde. Einen sehr hohen Bekanntheitsgrad hat dagegen bereits die Abfertigung Neu.

Abfertigung bekannt, Privatpension nicht
Die telefonische Umfrage wurde letzte Woche unter 500 Erwerbstätigen vom Leopold Kunschak-Institut der ÖVP durchgeführt. 86 Prozent der Befragten haben von der Abfertigung Neu schon etwas gehört. Drei Viertel von ihnen konnten auch - zumindest teilweise - erklären, was darunter zu verstehen ist. Vom Beschluss der "Zukunftsvorsorge" wussten allerdings nur knapp 20 Prozent. Die Grundidee dahinter scheint aber durchaus auf Sympathie zu stoßen. Auf die Frage, wie man grundsätzlich die Idee einer vom Staat geförderte Pensionsvorsorge fände, antworteten nämlich fast 60 Prozent mit "sehr gut", weitere 25 Prozent mit "eher gut". Weniger als 15 Prozent halten die geförderte private Pensionsvorsorge für "weniger" oder "gar nicht gut".

Das im Parlament beschlossene Modell ist ähnlich wie das Bausparen konstruiert. Der Staat ersetzt zehn Prozent der eingezahlten Summe, maximal 180 Euro. Ein Ausstieg ist nach frühestens 10 Jahren möglich. Im Fall einer Verrentung fällt keine KESt an, die ausgezahlten Pensionen sind steuerfrei.

Für Fasslabend zeigen die Umfragewerte, dass Finanzministerium und Regierung einen "umfassenden Informationsprozess" starten müssten. Vom Erfolg der privaten Pensionsvorsorge ist er überzeugt. Man gehe davon aus, dass man ähnliche Prozentsätze wie beim Bausparen erreichen werde. Man rechne daher damit, dass die "Zukunftsvorsorge" langfristig von über 60 Prozent als dritte Pensionssäule in Anspruch genommen werde. Im ÖAAB geht man dabei von einer durchschnittlichen jährlichen Einzahlung von 900 Euro aus. Möglich sind laut Gesetz sogar 1.800 Euro pro Jahr. Fasslabend zeigte sich auch zuversichtlich, dass das Modell "Zukunftsvorsorge" in "breiter Masse" von den Banken und Versicherungen angeboten werde. Diese hatten sich bisher noch eher skeptisch geäußert.

Der ÖAAB legte auch ein Rechenbeispiel vor. Zahlt jemand 40 Jahre privat 900 Euro pro Jahr ein und geht dann mit 65 Jahren in Pension, so bekommt er monatlich eine private Pension von 874 Euro ausbezahlt. Bei 30 Beitragsjahren und einem Pensionsantritt mit 60 Jahren bleiben immerhin noch 344 Euro monatlich.

Drei Säulen
Das von der ÖVP propagierten "Drei-Säulen-Modell" zur Pensionsvorsorge können übrigens nur rund 30 Prozent richtig oder teilweise richtig erklären. 58 Prozent können mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen. Fasslabend glaubt jedenfalls, dass mit der betrieblichen und privaten Pensionsvorsorge der Lebensstandard der Pensionisten in Zukunft noch gehoben werden kann. Derzeit hätte man eine Nettoersatzrate von 72 Prozent. Mit der Abfertigung Neu und der "Zukunftsvorsorge" werde jeder in Zukunft die Möglichkeit haben, "deutlich" über diesen Wert hinauszugehen, so Fasslabend.

21.10.2002 12:44