Montag, 21. Oktober 2002

USA: Bayer erwartet 3500 statt 2000 Lipobay-Prozesse

  • Pharmariese nahm Cholesterinsenker im Vorjahr vom Markt

Gegen den Leverkusener Chemie- und Pharma-Konzern Bayer werden in den USA einem Zeitungsbericht zufolge 3.500 Klagen wegen des Cholesterinsenkers Lipobay (In Verbindung mit einem zweiten Medikament war es zu 100 Todesfällen gekommen) vorbereitet. Bisher hatte Bayer man mit "über 2.000 Klagen" gerechnet.

"Ein erstes Verfahren erwarten wir im ersten Quartal 2003," sagte Vorstandschef Werner Wenning der Financial Times Deutschland (FTD, Montagausgabe). Der Konzern habe bereits außergerichtlich 100 Vergleiche geschlossen, aber ohne Schuldanerkennung.

Tödliche Muskelschwäche
Bayer hatte Lipobay im vergangenen Jahr vom Markt genommen. Das Präparat steht im Verdacht, als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können. Insgesamt werden 100 Todesfälle mit Lipobay im Zusammenhang gebracht.

Bayer hat bisher keine Rückstellungen für mögliche Schadenersatzforderungen gebildet. Der Konzern sieht sich nicht in der Schuld, da im Beipackzettel des Medikamentes vor möglichen Nebenwirkungen wie etwa der Muskelschwäche hingewiesen wurden.

Aktien unter Druck
Die Bayer-Aktien sind am Montag massiv unter Druck geraten, was Händler auf die Vorbereitung von überraschend vielen Klagen gegen das Unternehmen wegen des Cholesterinsenkers Lipobay zurückführten.

Die Bayer-Aktien verloren bis gegen 10 Uhr MESZ mehr als fünf Prozent ihres Börsenwertes auf 20,39 Euro. Zugleich notierte der Deutsche Aktienindex (Dax) knapp zwei Prozent schwächer.

Die nun zu erwartende Flut von Klagen in den USA belaste das Papier, sagte ein Aktienhändler. "Das ist eine sehr negative Nachricht, auch wenn noch kein substanzieller Schaden für Bayer erwartet wird."

21.10.2002 10:48