Montag, 21. Oktober 2002

Ski alpin: ÖSV geht mit Riesenzielen in den WM-Winter

  • Schröcksnadel: "Gesamtweltcup-Titel und 6 bis 8 WM-Medaillen"
  • Spannender Winter mit vielen Neuigkeiten steht vor der Tür

Der Weltcup-Auftakt in Sölden steht vor der Tür, Tipps und Prognosen über den Verlauf und Ausgang des am Wochenende mit zwei Riesentorläufen beginnenden Ski-Winters haben Hochsaison. Am gefragtesten sind dabei die Erwartungen, Ziele und Wünsche für die WM-Saison der "Chefs" persönlich. Die Vorgabe diktierte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Montag beim Medientag in der Zentrale der Telekom Austria in Wien so: "Gesamtweltcupsieg bei Damen und Herren sowie bei der WM in St. Moritz sechs bis acht Medaillen."

Bemerkenswert ist, dass trotz der wirtschaftlich schlechten Lage der Skiverband sein Sport-Budget für alle Sparten mit etwa 130 Mio S (9,45 Mio Euro) halten konnte, der Löwenanteil davon geht natürlich an die Alpinen. Das soll sichern, dass man in einer Saison, in der mit Hermann Maier und Renate Götschl zwei Top-Asse bis auf weiteres fehlen, man mit Stephan Eberharter und Michaela Dorfmeister aber die Titelverteidiger in den eigenen Reihen hat, wieder alle Ziel erreicht.

Das sind die wichtigsten Themen vor dem Start in den Ski-Winter:

o Sportliche Ziele: Auch Alpinchef Hans Pum zählt die Verteidigung der Gesamt-Titel sowie den Nationencup zu den ganz großen Zielen, in Sachen WM in der Schweiz (1. bis 16. Februar 2003) ist der Alpin-Chef aber konkreter: "Ich sehe acht Medaillen als Ziel, denn es ist nicht erlaubt, sich an die Minimal-Vorgabe des Präsidenten zu halten." Dass Österreich zum 14. Mal in Folge und zum 24. Mal insgesamt Sieger der Nationenwertung wird, bezweifelt auch Schröcksnadel nicht: "Es wird schwierig, den zu verlieren."

o Trainer: Trotz der Riesen-Erfolge im vergangenen Winter wurden 21 von 56 Positionen umbesetzt. Die gravierendsten Änderungen: Herbert Mandl ist Nachfolger von Karl Frehsner als Rennsportleiter der Damen, bei den Herren übernahm Walter Hubmann die Mandl-Position bei den Herren-Technikern. Der neue Gruppen-Coach im Slalom-Damenteam heißt Bernd Brunner. Pum: "Durch die Abgänge von Frehsner und Mathias Berthold hat sich das Karussell so richtig zu drehen begonnen. Dadurch konnten wir den Grundsatz "never change a winning team" nicht befolgen".

o Läufer: Hermann Maiers Zukunft ist zwar weiter offen und auch Christian Greber fällt komplett aus, das im vergangenen Winter zur Hälfte ausradierte Herrenteam darf aber sonst wieder auf fast alle Asse zurückgreifen. Pepi Strobl, Heinz Schilchegger, Werner Franz usw. werden von Beginn an wieder dabei sein, nur Slalom-Weltmeister Mario Matt muss noch länger pausieren. Prominentester Ausfall bei den Damen ist Renate Götschl, die "Speed Queen" sollte aber spätestens bei der WM im Februar wieder voll da sein. Bemerkenswert: Aus dem Europacup haben sich gleich acht ÖSV-Damen und sechs Herren die Weltcup-Startberechtigung erkämpft.

o Doping/Ärzte: Die "Doping"-Vorfälle rund um die ÖSV-Nordischen bzw. den Schotten Alain Baxter haben dazu geführt, dass der ÖSV nun zwei hauptamtliche Ärzte beschäftigt. Bei den Alpinen ist das die früheren Weltcup-Läuferin Brigitte Auer. "Oft passiert Doping unbewusst, wir setzen daher sehr stark auf ärztliche Tipps und Betreuung. Wir investieren einen Haufen Geld und tun alles, um eventuellen Problemen vorzubeugen", setzt Schröcksnadel alles daran, ein Baxter-ähnliches Unglück in den eigenen Reihen zu vermeiden.

o 30er-Regel: Die "Lex Austria" wird nicht prinzipiell verdammt, denn Schröcksnadel und Co begrüßen alle Veränderungen zu Gunsten der TV-Attraktivität des Skisports. Nur hält man Vieles für nicht ausgereift, wenig durchdacht. "Ziel dieser Aktion war, mehr Leute vor den Fernseher zu bekommen. Wenn aber jetzt die Startzeiten auf elf Uhr vorverlegt werden um die Chancengleichheit zu wahren, schauen ja wieder weniger zu. Keine Ahnung, wozu das ganze dann gut sein soll", gibt sich Schröcksnadel kritisch. Sein Appell: "Man darf die Helden nicht umbringen, egal aus welchem Land sie kommen!"

21.10.2002 14:13