Sonntag, 27. Oktober 2002

"Schüsse ins Genick": Polizist beschreibt Befreiung

  • "Die ganze Aktion war wie im Lehrbuch ausgearbeitet"

Die Befreiung von mehr als 800 Geiseln aus der Gewalt tschetschenischer Rebellen gelang einem Sonderkommando mit Hilfe von extrem starkem Betäubungsgas. Über Einzelheiten der Erstürmung berichtete einer der Polizisten der russischen Tageszeitung "Moskowski Komsomolez".

"Die ganze Aktion war wie im Lehrbuch ausgearbeitet. Das Wichtigste ist, dass wir den Psychokrieg gewonnen haben. Wir haben sie (die tschetschenischen Geiselnehmer) glauben lassen, dass wir um drei Uhr nachts stürmen. Die Rebellen waren gewarnt, doch nichts geschah. Sie begannen zu schießen (gemeint ist die Erschießung erster Geiseln). Danach kam eine natürliche Reaktion, sie wurden nachlässig. Und um fünf Uhr begannen wir mit der Erstürmung.

Durch die Lüftungsschächte wurde Schlafgas geleitet, mehrere Granaten wurden in den Saal geworfen. Das Wichtigste: Wir haben die selbstmörderischen ‚Terroristinnen‘ (mit Sprengstoffgürteln) liquidiert. Unsere Spezialisten drangen durch Schlupflöcher in den Saal ein und töteten die Terroristen mit Schüssen ins Genick. Oder in die Schläfe. Ich weiß, dass das grausam ist. Aber was soll man tun, wenn ein Mensch zwei Kilo Sprengstoff umgebunden hat. Anders konnten wir sie nicht unschädlich machen.

Dann begann eine Panik. Da war ein Fehler im Plan, unsere ewige Schwäche: Die Einheiten stimmten ihr Vorgehen nicht miteinander ab. Einige ‚Terroristen‘ eröffneten auf den Gängen das Feuer, noch wache Rebellen griffen zu den Waffen und stürzten sich auf die Polizei- Einheiten, die den Eingang blockierten. Im Saal schossen die ‚Terroristen‘ vom Balkon herunter, doch sie richteten offenbar keinen Schaden an (...)

Unter der Menschenmasse draußen gab es welche, die die ‚Terroristen‘ über Handy über unser Vorgehen auf dem Laufenden hielten. Mit diesen Leuten hatten wir schon vorher abgerechnet(...) Das waren übrigens alles andere als Kaukasier.

Insgesamt muss ich sagen, sind wir sehr zufrieden. Als erste Note würde ich uns eine 2+ geben. Das war die erste gelungene Operation seit einigen Jahren, deshalb sind unsere Jungs jetzt ziemlich zufrieden."

27.10.2002 16:05