Eine Seuche ging um die Welt: Chronologie der tödlichen Immunschwäche-Krankheit
- Aids wurde erst im Jahr 1981 erkannt
·HIV-Neuinfektionen nehmen rasant zu
Mehr Ansteckungen als Aufnahmen in Therapien
·Aids: Eine Seuche geht um die Welt
Chronologie: Krankheit erst 1981 erkannt
Eine Seuche ging binnen zwei Jahrzehnten ab der Entdeckung der ersten Erkankungsfälle zu Beginn der achtziger Jahre um die Welt: Die Immunschwächekrankheit Aids wurde mit einer Aussendung des US-Center for Disease Control (CDC) in Atlanta am 5. Juni 1981 als neue Krankheit erkannt. Bleibt sie unbehandelt, sterben zwei Drittel der infizierten Menschen binnen 15 Jahren.
1920 - 1930: Moderne Analysemethoden deuten darauf hin, dass das Aids-Virus bereits zu dieser Zeit in Afrika auf den Menschen überging. Wahrscheinlich kam es zu mehrfachen Übertragungen von Tier zu Mensch. Am ehesten dürfte der Konsum von Affenfleisch in Afrika der Auslöser gewesen sein. Durch die vor Jahrzehnten noch geringe Reisetätigkeit verbreitet sich das Virus zunächst nicht weltweit.
1959: Aus diesem Jahr stammt die älteste sicher dokumentierte HIV-Infektion. Sie wurde später in der Blutprobe eines Afrikaners nachgewiesen.
1980: Zu Beginn der achtziger Jahre werden zunächst in Kalifornien und dann in New York gehäuft neuartige Krankheitsbilder beobachtet. Allen gemein sind ausgeprägte und schwere Störungen der Immunabwehr.
1981: Die US-Gesundheitsbehörden melden, dass immer mehr Homosexuelle unter sonst extrem seltenen Lungenentzündungen (Pneumocystis carinii) und bis dahin seltenen Hauttumoren (Kaposi Sarkom) leiden. Am 5. Juni 1981 beschreibt die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals offiziell die zunächst mysteriösen Krankheitsfälle. Auf die Spur der Krankheit sind die US-Epidemiologen auch gekommen, weil immer mehr Verschreibungen des gegen die Pneumocystis carinii wirkenden Medikaments Pentamidin registriert werden.
1982: Die Krankheit bekommt den Namen Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome/erworbene Immunschwäche) und taucht auch Europa auf.
1983: Ein Team um den Virologen Luc Montagnier in Paris entdeckt und isoliert das Aids-Virus. Auch der Amerikaner Robert Gallo nimmt diesen Erfolg für sich in Anspruch. Ein langer Streit zwischen Beiden ist die Folge.
1984: Robert Gallo entwickelt ein Zellkultursystem und schafft damit die Voraussetzung für die Entwicklung erster Aids-Tests.
1985: Das Team um Montagnier findet mit HIV-2 den zweiten Typ des Aids-Virus.
1987: Das Aids-Medikament (AZT, Azidothymidin) wird in den USA und wenig später auch in Europa zugelassen. Es schafft erstmals eine Möglichkeit zur Behandlung der Betroffenen. Noch nie zuvor sind so schnell Tests und Arzneimittel gegen eine neu entdeckte Virusinfektion entwickelt worden.
1988: Untersuchungen ergeben, dass sich die Immunschwächekrankheit in Zentral- und Ostafrika rasant ausbreitet. Erste Impfstudien mit gentechnisch hergestellten HI-Virus-Proteinen beginnen.
1992: In den USA starten kontrollierte Studien mit Impfstoffen an Probanden. Sie bringen aber keinen Durchbruch. Daraufhin beenden zahlreiche Pharmaunternehmen - so schließlich auch die Wiener Immuno AG (nunmehr Baxter) - die Forschungen auf diesem Gebiet.
1993: Erste klinische Studien an Patienten zeigen die hohe Wirksamkeit einer Kombinationstherapie aus Medikamenten, die ähnlich wie AZT wirken (Reverse Transkriptase-Hemmer) und neu entwickelten Substanzen (Protease-Inhibitoren).
1995/96: Der Siegeszug der hoch wirksamen Kombinationstherpie gegen die HI-Retroviren (highly active antiretroviral therapy - HAART) beginnt. Seither hat sich die Zahl der Aids-Todesfälle in jenen Staaten, in denen die Betroffenen Zugang zu diesen Medikamenten haben, dramatisch verringert. Für Aufsehen sorgt die Entdeckung, dass einige Menschen eine genetisch bedingte, wenn auch nicht vollständige Resistenz gegen HIV haben. Das Virus benötigt für das Eindringen in Zellen deren CD4-Rezeptoren sowie Co-Rezeptoren als Andockstellen. Genetisch bedingte Mutationen der Co-Rezeptoren bieten offenbar einen Schutz vor HIV.
März 2003:
In den USA wird das erste Medikament einer neuen Wirkstoffklasse gegen die Aids-Erreger zugelassen - die Substanz Enfuvirtide. Dabei handelt es sich um eine Substanz, welche die Fusion von HI-Viren mit jenen Zellen blockiert, die von den Aids-Erregern infiziert werden ("HIV-Fusions-Hemmer"). Das Medikament wird derzeit allerdings nur für Fälle von Aids eingesetzt, die mit den herkömmlichen Therapien nicht mehr ausreichend behandelt werden können.
(apa/Red)
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