Sonntag, 27. Oktober 2002

ÖVP-Wahlkampfauftakt: "Jetzt gilt's zu laufen"

  • Rund 3.000 Besucher in Festzelt in Linz-Urfahr
  • ÖVP verzichtet auf billige „Anschütt“-Kampagne

Die ÖVP ist am Sonntag offiziell in den Wahlkampf gestartet. Rund 3.000 Mitglieder und Sympathisanten waren der Einladung der Volkspartei in ein in Linz-Urfahr errichtetes Festzelt gefolgt. Motto der Veranstaltung: "Diesmal Schüssel - Österreich gewinnt".

In ihrem Einleitungsstatement erklärte Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat, nun müssten alle ÖVP-Funktionäre zur Bevölkerung gehen, um diese zu überzeugen, dass es Österreich mit der ÖVP in der Regierung besser gehe: "Jetzt gilt's zu laufen".

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer nannte im Wesentlichen drei Punkte, warum sich eine Stimme für die ÖVP auszahle - nämlich die Leistungsbilanz der Regierung, die mangelnden politischen Alternativen sowie die Arbeit der rot-grünen Koalition in Deutschland.

Politisch ließ Pühringer aufhorchen, indem er die EU aufforderte, darauf zu bestehen, dass Tschechien in der Frage der Benes-Dekrete "eine Geste der Versöhnung setzt". Beim AKW Temelin versprach der Landeshauptmann, dass die Nullvariante so lange am Tisch bleibe, so lange ein Funken Hoffnung auf Erfolg bestehe. Prinzipiell bekannte sich Pühringer aber eindeutig zur Osterweiterung: "Ein geteiltes Europa wird nie auf Dauer ein funktionierendes und sicheres Europa sein."

Gestaltet war der Wahlkampfauftakt ganz nach dem Muster früherer FPÖ-Veranstaltungen. Nach den Einleitungsstatements von Rauch-Kallat und Pühringer zogen die Regierungsmitglieder der ÖVP unter den Klängen des Europe-Song "Final Countdown" durch die rot-weiß-rote Fähnchen schwingende Menge. Die Funktionäre waren zudem mit rot-weiß-roten Schals und rot-weiß-roten Halsbändern mit Karabinerhaken ausgestattet.

Schüssel: Noch 100.000 Stimmen für Platz 1
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hofft, die SPÖ in der Wählergunst bis zum 24. November noch überholen zu können. Dafür nötig seien 100.000 Stimmen, 1.000 Stimmen in jedem Bezirk, erklärte der VP-Obmann beim Wahlkampfauftakt der Volkspartei Sonntag Mittag in Linz. Nun gehe es darum, die Bürger davon zu überzeugen, dass jede Stimme zähle. Neue programmatische Ansagen blieben in der staatstragend gehaltenen Ansprache des Kanzlers weitgehend aus. Er nannte nur ein neues Projekt, nämlich dass bundesweit jedes Volksschul- und Kindergartenkind täglich einen Apfel bekommen soll.

Weiteres wichtiges Thema für die Volkspartei ist die Sicherheit: "Dies ist eine gefährliche Welt", betonte der Kanzler. Daher müsse man alle Anstrengungen unternehmen, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Ausdrücklich hob der Kanzler das Bundesheer hervor, dem die ÖVP, "wenn es sonst niemand tut immer treu den Rücken stärken wird". Weiters bekannte sich Schüssel zum Ergebnis des EU-Erweiterungsgipfels von Brüssel.

Persönliche Attacken gegen politische Mitbewerber vermied der VP-Chef und warb um eine sachliche Diskussion in der Wahlauseinandersetzung.

27.10.2002 22:55