Sonntag, 27. Oktober 2002

Schwerer Herbststurm rast über Europa, bisher 23 Tote

  • Alleine in Deutschland: 8 Tote
  • Flugzeug-, Eisenbahn- und Fährverbindungen eingestellt

Die schweren Herbststürme haben in Deutschland ein achtes Todesopfer gefordert. Wie die Polizei in Hamburg in der Nacht zum Montag mitteilte, wurde eine etwa 80 Jahre alte Frau mit ihrem Regenschirm von einer Sturmböe auf eine Straße gedrückt und überfahren. Zuvor waren in Deutschland bereits sieben Menschen bei den ersten schweren Herbststürmen des Jahres getötet worden. Europaweit kamen mindestens 23 Menschen ums Leben. Am frühen Montagmorgen erreichte der Sturm die Region Berlin/Brandenburg.

Vielerorts sprachen die Behörden von lebensbedrohlichen Gefahren und warnten die Menschen davor, die Häuser zu verlassen. Der Flug- und Bahnverkehr brach in vielen Gebieten zusammen, zehntausende Bahnreisende mussten mit teilweise extremen Verspätungen rechnen, Straßen und Autobahnen wurden gesperrt.

In der Region Berlin-Brandenburg maß der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Potsdam Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern. Schwerverletzte oder größere Sachschäden registrierten die Einsatzkräfte jedoch zunächst nicht. Die Feuerwehr in der Hauptstadt, die wegen der zu erwarteten Vielzahl der Einsätze bereits gegen 19.00 Uhr den Ausnahmezustand ausgerufen hatte, zählte bis Mitternacht 342 wetterbedingte Einsätze.

Unterdessen wurde die Unwetter-Warnung für Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg am Abend aufgehoben. Allein in Nordrhein-Westfalen waren am Sonntag vier Menschen ums Leben gekommen.

16 Menschen starben am Wochenende
Durch orkanartige Herbststürme sind am Wochenende in Europa mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Der schwerste Sturm seit Jahren richtete im Westen des Kontinents erhebliche Schäden an und behinderte den Verkehr stark. Am Sonntag wurde im niederrheinischen Bocholt eine Frau durch einen entwurzelten Baum getötet, in Schleswig-Holstein wurde ein Mann vom Blitz erschlagen. In Großbritannien starben sechs Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste. In den Niederlanden gab es vier, in Frankreich zwei, in der Schweiz und Belgien je ein Todesopfer.

Unter den sechs Menschen, die am Sonntag in England und Wales starben, waren nach Polizeiangaben drei Kinder. Eine 22-jährige Frau kam in Oxford ums Leben, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Ihre beiden jüngeren Schwestern wurden verletzt. Vielerorts wurden Häuser abgedeckt. Landesweit entstand erheblicher Sachschaden. Flugzeug-, Eisenbahn- und Fährverbindungen wurden gestrichen.

Im Hafen von Portsmouth in Südengland drückte der Sturm eine Fähre mit fast tausend Menschen an Bord gegen die modernste Fregatte der britischen Kriegsmarine. Bei der Kollision der "Pride of Portsmouth" gegen das vor Anker liegende Kriegsschiff "St. Albans" kamen der Betreibergesellschaft P & O zufolge keine Menschen zu Schaden.

27.10.2002 20:22