Mittwoch, 23. Oktober 2002

HIV-Entdecker Gallo: Erfolg mit Vakzin möglich

  • "Wir haben Immunität bei drei Tierarten beobachtet"
  • PLUS: Alle Hintergrund-Infos zur Aids-Seuche!

Nach Jahren frustrierender Arbeiten könnte die Forschung in absehbarer Zeit wirksame Impfstoffe gegen Aids bringen. Die derzeit erfolgreiche Kombinationstherapie gegen HIV ist noch nicht die Lösung des Problems. Dies erklärte der Aids-Virus-Co-Entdecker Univ.-Prof. Dr. Robert C. Gallo am Dienstag anlässlich eines Vortrags an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien.

"Die Welt steht (in Sachen Aids, Anm.) in vielen Regionen in Flammen. Die Seuche entwickelt sich weiterhin dynamisch. Die Situation wird zum Teil immer schlimmer", warnte Gallo. Auch die Industriestaaten sollten sich nicht zu sicher vor Aids fühlen, nur weil es dort eine wirksame Therapie gibt: "Ich war im Sommer in Kalabrien. Da stehen alle 200 Yards entlang der Straßen Prostituierte aus Afrika. Und wer die Situation in Osteuropa ansieht, sollte nicht glauben, dass Aids nicht aus diesen Regionen zurück kommt."

Die dritte Problematik: Das Auftauchen resistenter Virus-Varianten, die für die Medikamente unempfindlich sind. Der US-Wissenschafter, der jetzt das Institut für Virologie an der Universität von Maryland leitet: "Ärzte berichten, dass bei den Patienten nach einiger Zeit bis zu 50 Prozent Fehlschläge bei der Therapie auftreten. Das sind die Resistenzen. Ich persönlich glaube, dass die wirksamen Protease-Hemmer in den nächsten Jahren in der Therapie von den Fusions-Hemmern abgelöst werden dürften." Derzeit steht die Aids-Therapie vor der Einführung der ersten Arzneimittel der letzteren Gruppe in die Praxis. Diese Medikamente verhindern das Eindringen von HIV in Zellen.

Gallo: Es wird Aids-Vakzine geben!
Optimistischer als noch vor einiger Zeit sieht der Aids-Virus-Entdecker die Situation bei der Entwicklung von schützenden Vakzinen gegen HIV: "Noch vor gar nicht so langer Zeit hätte ich bei Fragen nach einem solchen Vakzin versucht, möglichst schnell bei der Tür rauszukommen."

Die Situation hat sich offenbar gewendet: "Doch jetzt bin ich optimistischer. Wissenschafter an meinem Institut haben ein Kandidat-Vakzin entwickelt, das bei drei Tierarten bereits eine gegen mehrere Aids-Virus-Arten wirkende schützende Immunantwort erzeugt hat. Wir haben allen Grund zur Hoffnung, dass das auch beim Menschen funktionieren könnte. Ich denke, im Jahr 2004 könnten wir die ersten Resultate sehen."

23.10.2002 08:28