Dienstag, 22. Oktober 2002

Rumäniens Präsident Iliescu zu Besuch in Österreich

  • Großes Ziel: Bis 2007 Beitritt Rumäniens zur EU

Der rumänische Staatspräsident Ion Iliescu hat sich bei seinem Arbeitsbesuch in Österreich zuversichtlich gezeigt, dass Rumänien in fünf Jahren EU-Mitglied sein werde. Der EU-Beitritt sei "ein Kernstück" der rumänischen Politik, sagte Iliescu am Mittwoch nach seinem Gespräch mit Bundespräsident Thomas Klestil in Wien. Die Zielvorgabe 2007 "hängt von unseren Anstrengungen ab", räumte Iliescu ein. Zugleich betonte er den NATO-Beitritt als "politisches Ziel" seines Landes.

"Wir hoffen, dass wir in fünf Jahren die EU-Beitrittskriterien erfüllen können", so Iliescu. Rumänien habe "viele Rückstände aufzuholen, wir fangen aber nicht bei Null an". Rumänien habe in den acht Jahren als assoziiertes Mitglied der EU Erfahrungen gesammelt. 70 Prozent des Handelsaustauschs werde bereits mit den EU-Staaten abgewickelt - "ein Training", wie Iliescu es nannte. Klestil betonte seinerseits, Österreich verfolge mit großem Interesse den Reformkurs Bukarests und werde den Weg Rumäniens nach dem von der EU festgelegten Plan voll und ganz unterstützen.

Zum NATO-Beitritt, der auf dem im bevorstehenden Prager Gipfel vollzogen werden soll, sagte der rumänische Präsident, hierbei gehe es um ein politisches Ziel, die Gewährleistung der Sicherheit des Landes und der ganzen Region. Gleichzeitig wertete Iliescu den NATO-Beitritt als "ersten Schritt einer Integration und Zugehörigkeit zu gemeinsamen europäischen Werten". 80 Prozent der Bevölkerung befürworte einen Beitritt zum Nordatlantischen Bündnis, von dem sie sich auch eine wirtschaftliche Verbesserung erwarte.

Die Pläne Rumäniens für einen Beitritt "zu den europäischen und transatlantischen Strukturen" bezeichnete Iliescu als Schwerpunkt des Gesprächs mit Klestil. Zugleich bewertete er die Initiativen des österreichischen Bundespräsidenten zu den Treffen der mitteleuropäischen Staaten als sehr positiv. Klestil und Iliescu sind in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zusammengetroffen. Der Bundespräsident vermerkte: "Das sagt etwas aus über die Beziehungen zwischen unseren Ländern." Den Zeitpunkt der Visite nannte Klestil angesichts der bevorstehenden Entscheidungen bei der EU-Reform und beim NATO-Gipfel als "wichtig und günstig".

Nach den Worten Iliescus treiben Österreich und Rumänien auch die Zusammenarbeit zwischen den Staaten des Donauraums voran. Im Besonderen lobte der rumänische Präsident die gute Kooperation zwischen den beiden Innenministerien bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität.

Ein weiteres Thema waren die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, die sich in den vergangenen Jahren beträchtlich ausgeweitet haben. Österreich liegt laut Iliescu an fünfter Stelle unter den EU-Handelspartnern. Das Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. Klestil wies daraufhin, dass in Rumänien derzeit rund 2.000 österreichische Firmen aktiv sind. Mit Investitionen in Höhe von 650 Millionen Euro seien in Rumänien rund 25.000 Arbeitsplätze geschaffen worden. Ein Thema war auch die Ausbildung von rumänischen Fachkräften für den Tourismus durch Österreich, so Klestil.

22.10.2002 22:11