Montag, 14. Oktober 2002

Koch-Popstar Jamie Oliver im FORMAT-Gespräch

  • Der "Nackte Chef" kocht seit Oktober auch im ORF

Kann kalte Gurkensuppe sexy sein? Ein Lammrücken verführerisch? Wieso ist es aufregend, scharfe Pfeffersteaks in der Pfanne zu brutzeln? Und warum braucht man dafür einen "nackten Koch"? Auf all diese Fragen gibt es nur eine Antwort: Jamie Oliver: Mit seiner frechen Fernseh-Kochshow bricht der 27-jährige Brite weltweit Quotenrekorde. Seit 17. Oktober kocht der "Nackte Chef" (die Bezeichnung 'Naked Chef' steht für aufs Wesentliche reduziertes Kochen) - im Zweikanalton - auch im ORF.

Anläßlich seines Kurzbesuches in Wien gab der Popstar unter den Köchen auch ein Interview für FORMAT:

FORMAT: Sie gelten als Koch mit Kultstatus, werden gefeiert wie ein Popstar. All das, weil Sie ein an und für sich nicht so spannendes Thema wie Kochen zu einer coolen Sache und die Küche zur neuen Fun-factory stilisiert haben?

Oliver: Ich habe ehrlich Spaß an der Sache und mache das mit großer Leidenschaft. Aber, mein Gott, ich weiß auch nicht, warum es so gut läuft.

FORMAT: Der "Nackte Chef" ist anders als bekannte Kochformate. Die Ästhetik der Show entspricht eher einem langen MTV-Videoclip. Lässiges Outfit, kumpelhafter Cockney-Akzent, zweideutige Sprüche von schlappen Zucchini …

Oliver: Ich fahre auch mit dem Roller durch Märkte oder teste Asia-Shops, zeige, dass es schon Spaß macht, richtig einzukaufen. Und ich denke, daß es heute vor allem zählt, in der richtigen Umgebung zu kochen, also in einer echten Küche und nicht im Studio. Wir nehmen jede Show in meinem eigenen Apartment auf.

FORMAT: Die britische Küche ist ja nicht gerade als Gourmet-Oase bekannt. Sie setzen als Brite auf Globalität, mixen alles: italienische Basics, Thai-Küche, arabische Einflüsse.

Oliver: Ich würde sagen, genau das ist heute die moderne britische Küche. Da hat sich viel geändert. Paris ist immer noch Weltklasse, aber was sich derzeit in London tut, ist auch nicht zu verachten.

FORMAT: Was halten Sie von der österreichischen Küche? Haben Sie schon etwas gekostet?

Oliver: Natürlich. Apfelstrudel und diesen herrlichen Speck! Ich habe einen Farmerfreund, der seit Jahren, wenn er zum Skifahren nach Österreich kommt, versucht, hier zu lernen, wie man diesen Speck richtig herstellt.

FORMAT: Gibt es für einen Spitzenkoch noch ein Lieblingsgericht?

Oliver: Das wechselt, denn ich probiere alles aus, weil ich vom Essen fasziniert bin. Ich teste in allen Ländern der Welt, und was ich dann dazulerne, findet schnell Eingang in meine nächste Menüfolge. Ich liebe das Experiment. Ich werde auch ein österreichisches Gericht nachkochen: Schwammerlsauce mit Knödeln.

14.10.2002 10:03
GUSTO-Rezeptsammlung