Mittwoch, 16. Oktober 2002

Hermann Maier (29): Zwangspause oder Karriere-Ende?

  • PLUS: Chronologie vom Unfall bis zum Comeback

Hermann Maier - der Sieger der Newsmaker-Wahl in der Kategorie Sport - gestern Abend bei Vera! Maiers Zukunft steht in den Sternen: "Mein Bein ist so desolat und kaputt, dass der kleinste Fehler zu einer erneuten Verletzung reicht." Wie der Skistar sein Leben abseits der Pisten plant. Ein sehr privates Interview über Freizeit, Frust & Frauen - jetzt in NEWS.

Seine Stimmung ist beschaffen wie die Bergkuppen, die er gern bezwingt: steil bergauf, steil bergab. An einem Tag blickt er verzagt in die Kamera und sagt: „Die Rückschläge geben mir zu denken. Nach dem Unfall ging es immer nur berg-auf und bergauf. Aber jetzt geht es immer nur bergab und bergab. Ich hatte Wunschvorstellungen, wann ich wieder Ski fahren und das Kribbeln spüren könnte. Ich habe mir Druck gemacht, ich habe mir Ziele gesetzt. Aber das hat leider nicht funktioniert.“

Hat er heimlich abgeschlossen?
Am nächsten Tag beim NEWS-Fototermin wirkt er wieder fröhlich-aufgekratzt, humpelt zu seinem Motorrad und braust waghalsig auf dem Hinterrad davon. An einem solchen Tag bekommt man von Hermann Maier dann Zuversichtlicheres zu hören: „Es gibt wirklich Schlimmeres! Ich hab’s immer noch sehr, sehr schön. Ich hab keinen Chef über mir und kann erstmals täglich durch einen Herbstwald radeln. Nur aus Lust. Nicht wegen einem Laktattest. Ich habe das schätzen gelernt.“ Dann wirkt der Skistar in Ruhe unbeschwert, fast wie von einer Last befreit, und erinnert in dieser Leichtigkeit ein wenig an Politiker Stunden vor ihrem Rücktritt.

Auch wenn es ihm selbst nicht bewusst sein sollte: „Karriereende? Mit diesem Gedanken konfrontier ich mich nicht!“ Im Gegenteil: Er ist damit beschäftigt, sich abzulenken und am Leben abseits der Pisten Gefallen zu finden. „Auch wenn’s schwer ist: Ich muss die Gedanken jetzt einmal weg vom Skifahren bringen und erst wieder dran denken, wenn ich schmerzfrei bin.“ Um sich abzulenken, tut er, was er am besten kann: trainieren. Rahmenprogramm: Therapien in der Klinik
von Harald Aufmesser. Diesmal freiwillig statt nach Plan. Etwas ganz anderes. Für ihn.

Hermann völlig verändert
Am 24. August des Vorjahres wurde der 29-Jährige bei seinem Motorradunfall in Bestzeit aus seinem Dauer-Sieglauf katapultiert. Eine siebenstündige Operation, 14 Monate und drei gescheiterte Comebackversuche später erkennt man den zweifachen Olympiasieger, Doppelweltmeister, dreifachen Gesamtweltcupsieger und Alltime-Champion menschlich kaum wieder.


Autorin: Edda Graf

Mehr dazu lesen Sie im neuen NEWS. Außerdem:

  • Das Interview: „Ich hab’s immer noch sehr schön“

    16.10.2002 14:29