Der rote Star Minister - Josef Broukal
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Das ist "Ex"-ORF- Star Josef Broukal
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Wer mit Gusi in den Wahlkampf zog
Gusenbauers Coup: Wie der SP-Chef den ORF-Frontmann überredete, für die SPÖ zu kandidieren, welches Chaos dadurch im ORF entstand. Und was Broukal unter einem Kanzler Gusenbauer werden könnte: Superminister für Technologie & Innovation.
Durch die Dienstag-Sitzung des SP-Präsidiums in der altehrwürdigen Wiener Löwelstraße wehte – wahrscheinlich erstmals in diesem Wahlkampf – ein Hauch von „Modern Times“: SP-Chef und Kanzlerkandidat Alfred Gusenbauer stellte den Mann vor, mit dem er dem bisher flauen Wahlkampf den entscheidenden Kick geben will. Er präsentierte Josef Broukal, Starmoderator des ORF und dessen beliebtester Anchorman, als neue Nummer neun der SP-Kandidatenliste.
Heimkehr eines Verlorenen
Ausgerechnet jenen Josef Broukal, der 1985 aus Frust über die SP-Haltung bei der Heimholung des NS-Kriegsverbrechers Walter Reder einfach aufgehört hatte, SP-Mitgliedsbeiträge einzuzahlen. Jenen Josef Broukal, der 1998 Viktor Klimas SPÖ einen Korb gab, als man ihn als Regierungsbeauftragten für das Jahr-2000-Computerproblem nominieren wollte. Und natürlich jenen ORF-Moderator, der sich in den letzten 16 Jahren immer wieder live in der ZiB 1 die härtesten Gefechte mit Jörg Haider geliefert hatte.
Gusenbauers Coup
Wahrlich ein Coup – Broukal kehrt nun als Mitglied des potenziellen „Kabinetts des Lichts“ Gusenbauers, nämlich als möglicher Wissenschaftsminister, in den Schoß der Partei zurück. Ein Streich, der die Köpfe der politischen Gegner bereits Dienstagmittag kräftig rauchen ließ – während Kanzler Schüssel auf seine altbewährte Methode des Schweigens zurückgriff, übte sich die FPÖ bereits in wüsten Attacken – auch beim potenziellen Koalitionspartner Van der Bellen machte sich im kleinen Kreis Unmut breit: „Der Gusenbauer fischt ja mit dem Broukal weiter in meinem Teich.“
Und im ORF hinterließ Broukal überhaupt eine mittlere Großbaustelle: Vor allem auf den langjährigen Anchorman war die völlige Umkrempelung der „Zeit im Bild 1“ ausgerichtet – die Werbekampagnen, die Broukal als einen der drei neuen Einzelmoderatoren der täglichen Nachrichten präsentieren, waren voll angelaufen, die Vorbereitungen für den Wahlsonntag, ebenfalls ganz auf die journalistische Kompetenz Broukals zugeschnitten, liefen auf Hochtouren.
Die Minister-Ansage
Aber: Die Premiere Broukals als Einzelmoderator am Montagabend sollte gleichzeit zur Derniere werden – etwas, wovon die ORF-Führung bis Dienstag gar nichts wusste.
Bis zum Enthusiasmus Broukals, mit dem er Dienstag verkündete, dass „unter Gusenbauer die SPÖ zu einer neuen, glaubwürdigen Partei geworden ist, mit der ich eine echte Zukunftsperspektive sehe“, und im NEWS-Gespräch schon offen ankündigt, dass er natürlich Minister werden wolle, war es freilich ein langer Weg:
Bis auf ein, zwei Kaffee, die man plauschend miteinander getrunken hat, war die Beziehung zwischen den beiden Herren jahrelang auf gegenseitiges freundliches Grüßen beschränkt. Das sollte sich seit vergangenem Freitag gründlich ändern: Da servierte zunächst Alfred Gusenbauer in seiner Wiener Wohnung Josef Broukal, 56, einen höchstpersönlich frisch gebrühten Mokka. Und beim zweiten Schluck dampfenden Illy-Kaffees fragte der SP-Chef den Anchorman des ORF unverblümt, ob er nicht am Küniglberg Anker lichten und für „Modern Times“ in der SPÖ sorgen wolle.
Roter Superminister
Das Konzept: Broukal sollte an wählbarer Stelle der SP-Nationalratsliste kandidieren und als Sprecher, später als Superminister für Wissenschaft, Technologie und Innovation fungieren. Wäre dann Gusenbauer Kanzler, würde er ein maßgeschneidertes Ressort für den ausgewiesenen Technologieexperten zimmern.
Der Lebensplan Broukals, der dem eigentlich entgegengestanden wäre: Mit der Sendung „Modern Times“, mit einer umfassenden Vortragstätigkeit über das Internet – sogar der VP-Seniorenbund steht Ende des Monats (noch) am Terminkalender – und mit der Erfüllung seines Traums von der Einzelmoderation der ZiB stand Josef Broukal eigentlich am Höhepunkt seiner Journalistenkarriere.
Zwei Tage Bedenkzeit
„Ich habe mir dann über das Wochenende Bedenkzeit erbeten“, erzählt Broukal im NEWS-Interview (siehe Seite 17). „Zuerst war ich fasziniert von der Perspektive. Dann hat mich meine Frau eine Stunde mit Fragen gelöchert, ob ich mir das wirklich antun will.“ Als sie schließlich sicher war, dass der ehemalige Funktionär der „sozialistischen Mittelschüler“ nach seinem Engagement in den 60er Jahren jetzt in die Politik gehen wollte, war Broukal selbst wieder unsicher. „Montagnachmittag habe ich dann Alfred Gusenbauer angerufen und gesagt: Ich mach es“, schildert der ehemalige ZiB-Moderator seine Entscheidungsfindung.
Von der er freilich sonst niemanden informierte – während Broukal den Montagnachmittag mit einer „virtuellen Debatte“ über die Organisation des Wahlsonntags im ORF mit Chefredakteur Werner Mück verbrachte, klemmte sich in der SP-Zentrale Gusenbauer hinters Telefon, um die SP-Präsidiumsmitglieder über die notwendige Umstellung auf der SP-Bundesliste zu informieren. Während Gusenbauer und SP-Geschäftsführerin Doris Bures Montag bis spät in die Nacht über einer SP-Liste brüteten, die mindestens 50 Prozent Frauenanteil haben sollte, erfüllte sich Broukal zum ersten und letzten Mal seinen journalistischen Traum: Bei der Premiere der neuen „Zeit im Bild 1“ saß Broukal als erster Einzelmoderator seit seinem Lehrmeister Horst Friedrich Mayer im News-Room. Und sollte damit eigentlich eine neue Ära im ORF einleiten.
Autoren: I. Daniel, J. Galley, H. Wachter
Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS.
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