OMV: Gewinn 2002 unter Vorjahr
- Förderziel: 100.000 Barrel/Tag zur Jahreswende möglich
- "ÖIAG noch lange Kernaktionär"
Die Margen des österreichischen Ölkonzerns OMV im Raffineriebereich haben sich nach Angaben von Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer im 2. Halbjahr merklich verbessert. Trotz dieser spürbaren Entlastung werde der Gewinn des OMV-Konzerns im laufenden Jahr 2002 unter jenem des Vorjahres liegen, sagte Ruttenstorfer auf der "Gewinn"-Messe in Wien.
Nach einem EBIT von rund 200 Mill. Euro im 1. Halbjahr "werden wir im 2. Halbjahr nicht schlechter sein", so Ruttenstorfer, der sich jedoch mit Angaben zur möglichen Ausschüttung an die Aktionäre für dieses Jahr bedeckt hielt. Bei der Erörterung der Dividende werde man jedoch berücksichtigen, dass die OMV eine Pay-Out-Ratio von 40 Prozent anstrebe. Für das Rekordjahr 2001 mit 610 Mill. Euro EBIT hatte die OMV an ihre Aktionäre 4,30 Euro je Aktie ausgeschüttet, davon 3 Euro Dividende plus 1,30 Euro Bonus. Am Freitag hatte die OMV-Aktie, die Ruttenstorfer im internationalen Branchenvergleich - ähnlich zahlreichen Analysten - für unterbewertet hält, mit einem Plus von 2,26 Prozent mit 89,50 Euro geschlossen
Raffineriemarge hat sich deutlich verbessert
Die Raffineriemarge habe sich nun zu Beginn des 4. Quartals "deutlich verbessert", jedoch sei natürlich fraglich für wie lange, sagte Ruttenstorfer. Im 3. Quartal sei sie ebenfalls bereits gestiegen, wenn auch nicht besonders stark. Im 2. Quartal sei sie mit 43 Cent schon deutlich besser gewesen als im 1. Quartal, als mit 9 Cent im Minus der tiefste Stand seit mehr als 10 Jahren erreicht war. Im 1. Halbjahr lag sie nach früheren Angaben im Schnitt bei 24 Cent. Normalerweise erziele man jedoch eine Raffineriemarge von ungefähr 2 Dollar, so Ruttenstorfer heute.
Ziel: 100.000 Barrel pro Tag
Für den vergleichsweise lukrativeren Upstream-Bereich geht der OMV-Chef davon aus, dass im 4. Quartal 2002 oder im 1. Quartal 2003 das von der OMV für die Jahreswende angepeilte Öl- und Gasförderziel von 100.000 Barrel Öläquivalent (boe) pro Tag erreicht werden kann. Mit dem kürzlich erfolgten und ab Ende November wirksamen Erwerb einer Beteiligung im Maui-Feld in Neuseeland kommt man an diese Grenze schon nahe heran, musste jedoch zuletzt - geplante und ungeplante - Stillstände im Inland (Aderklaa) und in dem von BP betriebenen Nordsee-Feld Schiehallion hinnehmen, wo die OMV beteiligt ist.
Höhere Ölpreis wirkte sich noch nicht aus
Daher wirkte sich im 3. Quartal auch der bereits höhere Ölpreis noch nicht entsprechend im Upstream aus, das mit einem Return on Assets von 20 Prozent deutlich lukrativer ist als etwa der Raffineriebereich (13 bzw. über 10 Prozent). Ob die Fördermenge wegen der Stillstände im 3. Quartal sogar unter jener des 2. Quartals gelegen ist, wollte Ruttenstorfer nicht sagen. Im 2. Quartal soll sie im Schnitt 84.000 boe/Tag betragen haben, nach 79.000 boe/Tag im 1. Quartal. Bis Ende 2004 will die OMV die Tagesmenge auf 120.000 und bis 2008 auf 160.000 boe/Tag gesteigert haben, doppelt so viel wie Anfang 2002.
Nicht alle Aktionäre werden mitziehen
Angesprochen auf die Rolle der staatlichen Österreichischen Industrieholding AG (ÖIAG) als 35-Prozent-Hauptaktionär der OMV sagte Ruttenstorfer, dies sei grundsätzlich Sache des Eigentümers, aber er akzeptiere, dass die ÖIAG bei einer möglichen weiteren OMV-Kapitalerhöhung in der Zukunft nicht mitziehen wird und der Staatsanteil daher zurückgeht. Dies gelte auch für den wichtigen strategischen 20-Prozent-Aktionär IPIC (Abu Dhabi). Er sehe schon ein, so der OMV-Chef, dass es "nicht Aufgabe der ÖIAG" sei, "hineinzuinvestieren". So gesehen sei es möglich, dass "der eine oder andere Aktionär" bei einer Kapitalaufstockung nicht mitzieht "und sich der Anteil verdünnt". "Die ÖIAG wird uns aber noch lange als Kernaktionär erhalten bleiben." Die OMV mit derzeit 27 Mill. Aktien verfügt noch über weitere 8 Mill. Aktien genehmigten Kapitalrahmen.
Privatisierungsvorhaben?
Zu konkreten Interessen der OMV an Privatisierungsvorhaben im Ölsektor in Zentral- und Osteuropa hielt sich der OMV-Chef auf der "Gewinn"-Messe bedeckt. Dies betrifft etwa den tschechischen Petrochemie-Konzern Unipetrol, deren Verkauf nach dem Rückzug von Agrofert wieder neu aufgerollt werden dürfte und sich der OMV eine neue Chance eröffnen könnte. Gut im Rennen lag die OMV zuletzt auch bei der geplanten Teilprivatisierung des kroatischen Öl- u nd Gaskonzerns INA, doch war die Regierung in Zagreb nach Berichten von Anfang Oktober auf der Suche nach neuen Bietern, nachdem die Interessentenzahl auf das Mindestmaß von drei geschrumpft war.
Über 1.300 Tankstellen
Die größte Akquisition im Ausland war zuletzt - neben Tankstellenkäufen im Ausland, wodurch die Gesamtzahl der OMV-Stationen auf über 1.300 Stationen geklettert ist (davon rund 530 im Inland) - der 25,1-Prozent-Einstieg beim rumänischen Erdöl- und Raffineriekonzern Rompetrol. Wie berichtet will OMV den Marktanteil im zentraleuropäischen Marketing bis 2008 von heuer 10 auf 20 Prozent verdoppeln.
Anteil am MOL wird nicht erhöht
Die OMV habe nicht die Absicht, ihren 10-Prozent-Anteil an der MOL zu erhöhen, sagte Ruttenstorfer mit Hinweis auf die beim ungarischen Ölunternehmen herrschende Stimmrechtsbeschränkung in diesem Ausmaß. Überdies beabsichtige Ungarn keine weitere Abgabe von MOL-Anteilen - "die MOL ist nicht zu kaufen" -, außer über die Börse. Die MOL sei sicher ein sehr guter Partner, mit der man eine gute Gesprächsbasis habe: "Wir wollen weitere Schritte des näheren Zusammenrückens mit MOL versuchen."
Dalai Lama in Österreich10:26
Keine Angst vor ChinaAußenministerium reagiert auf Chinas Empörung betont gelassen
Michael Schumacher18:02
"Der alte Hund"Niki Lauda zog seine rote Kappe vor dem Deutschen. Seine Pole fand er "sensationell".
Mordalarm in Wien12:03
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache

