I-Gewerkschaften hoffen nach Streik auf neue Einheit
- Fiat-Krise und Wirtschaftsflaute zwingen Arbeitnehmerverbände, alte Feindschaften zu begraben
Der italienische Gewerkschaftsverband CGIL feierte am Freitag den Erfolg des zweiten Generalstreiks gegen die Regierung von Silvio Berlusconi binnen sechs Monaten und hofft, bald wieder die Einheit mit den Schwesterorganisationen CISL und UIL zurückzugewinnen.
Millionen Menschen legten laut der stärksten Gewerkschaften in Italien die Arbeit nieder, um gegen die wirtschaftspolitische Linie des Mitte-Rechts-Kabinetts und dem Stellenabbau beim Turiner Autokonzern Fiat zu protestieren.
Die "Schwesterorganisationen" der "roten" CGIL, die gemäßigteren CISL und UIL, hatten sich dem Aufruf zum Generalstreik nicht angeschlossen. Seit sie im vergangenen Juli mit der Regierung Berlusconi einen umstrittenen "Pakt für Italien" unterschrieben hatten, der Grünes Licht für einen Großteil der Arbeitsmarktreformen des Mitte-Rechts-Kabinetts enthielt, gehen sie einen von der CGIL getrennten Weg. Nach dem Generalstreik und wegen der dramatischen Auswirkungen der Fiat-Krise könnten die Gewerkschaften jedoch bald wieder ihre Einheit zurückfinden. "Die Lage in Italien ist dramatisch, die Zeit ist reif, um alte Feindschaften zu begraben", so der Ex-Chef der CGIL, Sergio Cofferati.
Laut CGIL gefährden die kombinierten Effekte des Stellenabbaus bei der Turiner Autogruppe Fiat, des schwachen Wirtschaftswachstums und der im Haushaltsgesetz 2003 enthaltenen Sparmaßnahmen 280.000 Arbeitsplätze. Die Tatsache, dass so viele Italiener auf dem Streikaufruf reagiert hätten, sei ein Beweis des großen Unbehagens wegen der wirtschaftlichen Problemen des Landes. Nur geschlossen könne man einen aktiven Kampf zur Rettung der Arbeitsplätze bei Fiat führen, so die CGIL.
Mehrere Hunderttausende Personen, über eine Million nach Schätzungen der Gewerkschaften, demonstrierten am Freitag in den größten Städten. An den Kundgebungen beteiligten sich mehrere Starpolitiker der Linken wie der Chef der Linksdemokraten (DS) Piero Fassino, Ex-Regierungschef Massimo D'Alema und der CGIL-Führer Cofferati. Der neue CGIL-Chef Guglielmo Epifani führte einen Protestzug in Turin an, wo sich das Hauptquartier von Fiat befindet. Die schwere Krise des Autokonzerns drohe gravierende Folgen für die italienische Wirtschaft zu haben, da über 50.000 Arbeitsplätze von Italiens größter Privatgruppe abhängen, warnte die CGIL.
Zu beträchtlichen Problemen kam es im öffentlichen Verkehr, da sowohl die Fluglotsen und Piloten der nationalen Fluggesellschaft Alitalia als auch die Eisenbahner acht Stunden lang die Arbeit niederlegten. Die Streikaktion betraf auch den Lokalverkehr. Auch in Krankenhäusern, in Schulen sowie in den Banken wurde der Aufruf zum Streik befolgt. Lahm gelegt waren laut CGIL auch die Fiat-Produktionswerke, die vergangene Woche im Rahmen eines tiefgreifenden Umstrukturierungsplan den Abbau von 8.100 Arbeitsplätzen bekundet hatte. Der Autokonzern bestritt jedoch die Gewerkschaftsangaben und behauptete, dass sich nur ein Viertel der Belegschaft dem Streik angeschlossen habe.
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