Dienstag, 15. Oktober 2002

AK kritisiert Lehrlings-"Packerl" der Regierung

  • Tumpel fordert stärkeres Auffangnetz für Jugendliche
  • In Wien "kämpfen" sechs Jugendliche um einen Lehrplatz

Der Arbeiterkammer (AK) sind die von der Regierung im Rahmen ihres Konjunkturpakets getroffenen Maßnahmen für die Lehrlingsausbildung und gegen die Jugendarbeitslosigkeit "zu wenig und zu spät". "Das Beschäftigungspaket für die Jungen ist in Wirklichkeit nur ein Packerl".

AK-Präsident Herbert Tumpel wies am Dienstag vor Journalisten darauf hin, dass das zu Grunde liegende Problem bereits seit langem bekannt sei und dass die Regierung "die Jugendlichen im Stich gelassen" hätte.
Besonders kritisiert die Arbeiterkammer, dass es seit kurzem nicht mehr möglich sein soll, einen versäumten Hauptschulabschluss kostenlos nachzuholen.

Die angekündigte Aufstockung des "Auffangnetzes" für Jugendliche ohne Lehrstelle von 2.600 auf 3.000 Lehrgangsstellen sei auch bei weitem nicht ausreichend, kritisierte Tumpel. Anders als früher bestehe heute ferner nicht mehr die Möglichkeit, im Zug dieser Kurse auch einen Lehrabschluss zu machen. Neben einer Verbesserung dieses "Auffangnetzes" forderte der AK-Chef auch Maßnahmen für die berufsbildenden Schulen, die überfüllt seien und hohe Schulabbrecher-Zahlen aufwiesen.

Laut AK gibt es per Ende September 2002 knapp 11.400 Lehrstellensuchende, knapp 30 Prozent mehr als noch Ende 2000. In dieser Zahl inkludiert sind auch rund 5.000 Jugendliche, die sich in kurzfristigen, etwa zehn Monate dauernden Lehrgängen befinden und die daneben ebenfalls nach einer Lehrstelle suchen. Nach Rechnungen der Arbeitgeberseite, die diese Jugendlichen nicht einschließen und die die rund 2.900 offenen Lehrstellen abziehen, beträgt die Lehrstellenlücke nur etwa 3.000.

Abwartend gibt sich die Arbeiterkammer, was den Erfolg der Aktionswoche für mehr Lehrstellen betrifft, die die Wirtschaftskammer derzeit durchführt. Man hoffe, dass die Aktionswoche und der von der Regierung beschlossene 1.000-Euro-Bonus pro Jahr und Lehrling den den erwarteten Effekt für die Zahl der Ausbildungsplätze bringen werde.

Wien: Sechs Jugendliche für einen Lehrplatz
Salzburg ist derzeit das einzige Bundesland, in dem es mehr offene Lehrstellen als Lehrstellen-Suchende gibt. "Viele Branchen suchen sogar dringend Fachkräftenachwuchs", betonte heute der Direktor der Salzburger Wirtschaftskammer, Wolfgang Gmachl, bei einer Pressekonferenz in Salzburg. 258 Lehrstellen-Suchenden stehen derzeit 329 offene Lehrstellen gegenüber. Damit kann statistisch gesehen ein Jugendlicher in Salzburg aus 1,3 offenen Lehrstellen auswählen. In Wien müssen fast sechs Jugendliche um einen Lehrplatz "kämpfen".

VP-Amon: Regierung arbeitet
ÖVP-Bildungssprecher und Nationalrat Werner Amon will die AK-Kritik nicht widerspruchslos hinnehmen: "Das Ziel der Regierung ist es, jedem Jugendlichen entweder einen Lehrplatz, einen Lehrgangsplatz oder eine schulische Ausbildung zu garantieren. Durch umfassende Maßnahmen, wie zuletzt den Pakt für Jugend und Beschäftigung, weist Österreich daher auch im EU-Durchschnitt die zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeit auf".

15.10.2002 13:03

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