Dienstag, 15. Oktober 2002

Kinder-"Konsumrausch" startet Schuldnerkarriere

  • Rat an Eltern: "Kosten auf den Tisch legen"

Bereits Taferlklassler verfallen in einen "Konsumrausch". Zunächst geht es noch um "kleine, leistbare" Wünsche, die von den Eltern erfüllt werden. Aber daraus lernt das Kind nur - "Alles ist möglich! Koste es, was es wolle!". In der Pubertät oder spätestens im Erwachsenenalter übersteigen die Wünsche oft die eigenen finanziellen Möglichkeiten.

Dennoch "werden sie erfüllt - auf Pump", warnt Thomas Mader von der Schuldnerberatung Oberösterreich. "Eine Schuldnerkarriere ist vorprogrammiert."

Die Kids wollen "scheinbar immer mehr" - egal ob es sich um Spielsachen, Süßigkeiten oder Markenkleidung handelt, berichtet Mader. "Werbepsychologen lassen sich immer neue Strategien einfallen, nur um Konsumgüter an das Kind zu bringen". Dazu komme noch der Gruppendruck in den Klassen. "Kinder sehen und lernen von anderen", daraus resultiere allzu oft der Wunsch "Ich will das, denn die hat das auch". Um lange Diskussionen zu verhindern, würden solche Wünsche einfach erfüllt.

Pilotprojekt in Oberösterreich
in Um dieser Gefahr vorzubeugen, habe "Klartext" - die Präventionseinrichtung der Schuldnerberatung - mit Unterstützung des Sozialressorts des Landes das Pilotprojekt "Weil kein Geld vom Himmel fällt..." entwickelt. Dadurch soll bei den Kindern eine nachhaltige Änderung ihres Umgangs mit Geld und Konsum erreicht werden. Durchgeführt werde es erstmals im Schuljahr 2002/2003 gemeinsam mit der Volksschule St. Oswald im Bezirk Freistadt, so Mader. Bei dem Projekt werden moderne pädagogische Methoden eingesetzt und Eltern sowie Lehrerinnen eingebunden.

Geld kommt nicht "aus dem Bankomat"
Eltern sollten "Geld sichtbar machen", rät Mader. Viele Kids glauben, "das Geld kommt aus dem Bankomat". Sie wissen nicht, das Geld ein "Tauschmittel" ist, erklärte Mader. Zudem hätten sie oft keine Ahnung "was das Leben kostet". Er rate daher den Eltern, "die Kosten der Familie auf den Tisch zu legen". Stichwort Taschengeld: Haben es die Kids "verjubelt", sollte es erst wieder zum vereinbarten Zeitpunkt "Nachschub" geben.

15.10.2002 10:59